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Nürnberg
Crowe, Michael Shannon, 148 Min.
Filmschaffende haben sich vielfach an den Nachkriegs-Prozessen von
Nürnberg abgearbeitet. Schließlich ist das Ende der Nazi-Diktatur gut
dokumentiert. Bereits parallel zum Prozess 1948 entstand ein
Dokumentarfilm. Die bekannteste Nacherzählung, der starbesetzte
Gerichtsfilm »Das Urteil von Nürnberg« von Stanley Kramer, wurde 1962
mit zwei Oscars ausgezeichnet. Zuletzt gab es 2023 den russischen
Kinofilm »Nürnberg« und im vergangenen Jahr einen großen Fernsehfilm zum
Thema. Nun also wieder Hollywood mit Russell Crowe als Hermann Göring.
Was die Inszenierung von James Vanderbilt (»Der Moment der Wahrheit«)
allerdings interessant macht, ist die Perspektive. Basierend auf bisher
unveröffentlichten Dokumenten schildert der Journalist Jack El-Hai in
seinem 2013 erschienenen Buch »Der Nazi und der Psychiater« die
Begegnungen des Armeepsychiaters Douglas M. Kelley mit Hermann Göring,
dem nach der Kapitulation ranghöchsten noch lebenden Nazi. Kelley (Rami
Malek) wird 1945 ins luxemburgische Mondorf-les-Bains abgeordnet, wo
nach Kriegsende von der US-Armee ein Hotel zum Gefängnis für die
Führungselite der Nazis umgebaut wurde. Hier soll er die physische und
psychische Verfassung der Elite des Naziregimes beurteilen, bevor ihnen
in Nürnberg der Prozess gemacht wird. Unter den 52 Nazi-Größen wie
Dönitz, Hess, Speer und Streicher weckt vor allem Hermann Göring,
ehemaliger Chef der Luftwaffe und selbst ernannter »Reichsmarschall«,
das Interesse Kelleys. Er lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein, um
sein Vertrauen zu gewinnen.
Das ist von Crowe (bis auf seine lächerlichen Deutschkenntnisse) und
Malek hervorragend gespielt, bis in die Nebenrollen glänzend besetzt und
von Dariusz Wolski (»Napoleon«) stilvoll in Szene gesetzt. Allerdings
mit bedeutungsschwangeren Blicken und großen Gesten alles andere als
subtil erzählt. Woran auch Brian Tylers (»Avengers«) pathosgeladener
Score einen großen Anteil hat. An der nach wie vor aktuellen Lehre des
Stoffs ändert das freilich nichts.
Ein FILMtabs.de Artikel
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 07.05.2026 / 10:45
- Rubrik:
- Kritiken LT
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