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Rose

AT/D 2026 R: Markus Schleinzer, D: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa
Growaldt, 94 Min.

Dreißig Jahre Krieg. Undenkbar. Inmitten dieses »ersten großen Krieges«
im 17. Jahrhundert taucht der Soldat Rose in einem abgelegenen
protestantischen Dorf auf. Rose behauptet, der rechtmäßige Erbe eines
seit langer Zeit verlassenen Gutshofs zu sein. Seinen Anspruch macht er
mit einem Dokument geltend. Rose strebt nach Anerkennung und Integration
in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Sein Erscheinen zieht jedoch
deren Misstrauen auf sich. Den Fremden umgibt ein Geheimnis –
tatsächlich steckt hinter Rose eine Frau, die eine falsche Identität und
ein anderes Geschlecht angenommen hat, um ihr Glück zu finden.

Mit der Figur des Soldaten Rose hat die Charakterdarstellerin Sandra
Hüller eine neue Herausforderung gefunden. Nach der Frau eines
SS-Kommandanten in »Zone of Interest« und einer angeklagten Witwe in
»Anatomie eines Falls« stellt sie in Markus Schleinzers »Rose« eine
»Frau, die vorgibt, ein Mann zu sein« dar, wie Hüller im Rahmen der
Pressekonferenz der diesjährigen Berlinale betonte. »Ich spiele keinen
Mann.«. Und doch ist diese Rolle für sie auch eine auch körperliche
Transformation. Nicht nur die Stimme wirkt fester, betonter, auch ihr
Schauspiel trägt männliche Züge, solange sich Rose als Mann ausgibt. Für
den österreichischen Regisseur Markus Schleinzer war Hüller die einzige
Wahl für die Rolle der Rose. Er schätzt an ihr »dieses enorme Talent,
die bezwingende Logik gepaart mit einer extremen Ehrlichkeit und
Uneitelkeit in ihrem Spiel.« Hüller, so habe er im Gespräch mit anderen
Darstellerinnen erfahren, sei zudem enorm wichtig »für nachfolgende
Generationen an Schauspielerinnen.«

Schleintzer hatte vor acht Jahren mit seiner Recherche zu »Rose«
begonnen. Auf Basis der Informationen, die er in alten Schriften und
Nacherzählungen fand, begann er ein Romanfragment zu schreiben. Mehr als
1.000 Seiten umfasste am Ende die Geschichte der fiktiven Figur Rose,
von der Geburt bis zum Tode. Mit dem Drehbuchautor Alexander Brom
konzentrierte er sich auf das letzte Kapitel ihres Lebens. »Ich bin auf
an die 300 Geschichten von Frauen gestoßen, die über etwa drei
Jahrhunderte hinweg, aus unterschiedlichsten Gründen ›den Weg in die
Hose‹ genommen haben.« Gründe für Frauen »in die Hose zu steigen« waren
mannigfaltig, so Schleintzer. »Es erleichterte den Zugang zu Arbeit. Es
war die Hoffnung, Vergewaltigungen oder Zwangsheiraten zu entgehen,
dadurch selbstbestimmter zu leben«, die Frauen antrieb. »Wer ein
selbstbestimmtes Leben führen, Zugang zu Bildung und Besitz haben
wollte, der tat gut daran, ein Mann zu sein oder zumindest eine Hose zu
tragen.« Immer wieder stellte er fest, »in dem Moment in dem sie sich
dieses Stückchen Stoff angelegt haben, war diese Freiheit, diese
Autonomie sofort gegeben.«

Bereits mit seinem letzten Film »Angelo« behandelte Markus Schleinzer
einen historischen Stoff. Darin wird zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein
afrikanischer Sklavenjunge von einer europäischen Comtesse ausgesucht,
um getauft und ausgebildet zum Wiener Hofmaskottchen zu werden. Diesmal
setzte Schleintzer die Geschichte in starken Schwarz-Weiß-Bildern in
Szene. Weniger, um das Historische zu unterstreichen, sondern vielmehr
für die Fokussierung. »Es bringt die Geschichte manchmal zurück zu den
Menschen. Wir konzentrieren uns ganz auf die Handlung, nicht darauf,
welche Farbe ein Kleid oder eine Uniform hat.« Für »Rose« holte er auch
Robert Gwisdek und Godehard Giese ins Ensemble. Caro Braun ist als Roses
Partnerin Suzanna eine Entdeckung. Marisa Growaldt führt als Erzählerin
durch die Geschichte. Dadurch gewinnt der Film die Hoheit der Narration,
die Distanz des Blicks auf die Ereignisse. Vor allem Hüllers Spiel geht
unter die Haut.

Gedreht wurde im Harz in Sachsen-Anhalt und in Niederösterreich. Die
Leipziger ROW Pictures, die bereits »3 Tage in Quiberon« und »Irgendwann
werden wir uns alles erzählen« mit Regisseurin Emily Atef, sowie Sandra
Hüller in »Zwei zu Eins« produzierte, war mit an Bord. Auch die
Tonbearbeitung entstand in Leipzig.


Ein FILMtabs.de Artikel