Wir glauben euch
Akheddiou, Laurent Capelluto, Natali Broods, 78 Min.
Tränen der Verzweiflung laufen das Gesicht von Alice (Myriem Akheddiou)
herunter. Ihr Sohn Etienne (Ulysse Goffin) sitzt auf der Straße und
rührt sich nicht. Nur widerwillig begleitet der Junge seine Mutter und
die 17-jährige Schwester Lila (Adèle Pinckaers) in das Gerichtsgebäude.
Dort wird das Sorgerecht der beiden Kinder zwischen Alice und ihrem
Vater (Laurent Capelluto) verhandelt. Gegen den Vater läuft seit zwei
Jahren ein Strafverfahren. Alice und die Kinder sind angespannt. Das
Warten im Vorraum wird zur Qual. Obwohl sich insbesondere Etienne
deutlich dagegen ausgesprochen hat, treffen sie dort auf den Vater und
seine Anwältin. Am liebsten würden die Kinder ihn nie wiedersehen. Doch
ihre Wünsche und Aussagen bleiben ungehört.
Über den Zeitraum von rund einer Stunde entspinnt sich ein
Familiendrama. Ruhig und konzentriert fängt der Film die Aussagen der
Anwält*innen und der Eltern ein. In den langen, emotionalen Monologen
entfaltet sich die Vorgeschichte. Nüchtern, fast dokumentarisch im
Bildformat 4:3 fängt Kameramann Pépin Struye den Wortwechsel ein und
ruht lange auf den Gesichtern der Protagonist*innen. Der Betrachter hat
so die Möglichkeit, ihre Regungen zu studieren. Die Kamera bleibt dabei
meist bei Alice, die von Myriem Akheddiou („Zwei Tage, eine Nacht“)
eindringlich gespielt wird. Ihre Schilderungen lassen Bilder im Kopf des
Betrachters formen, die am Ende ein Ganzes ergeben. Die Perspektive ist
zwar subjektiv konzentriert auf Alices Perspektive, aber aufrichtig, nie
manipulativ. So dass man am Ende auch mit Blick auf die überzeugend
agierenden Kinderdarsteller*innen sagen kann: „Wir glauben euch“. Seine
Premiere feierte das Regiedebüt von Charlotte Devillers und Arnaud
Dufeys in der Sektion „Encounters“ der letztjährigen Berlinale.
Ein FILMtabs.de Artikel
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 05.05.2026 / 5:45
- Rubrik:
- Kritiken LT
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