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Milla meets Moses

Australien 2019 (Babyteeth) Regie: Shannon Murphy, mit Eliza Scanlen, Toby Wallace, Ben Mendelsohn, Emily Barclay, Eugene Gilfedder, Essie Davis 118 Min. FSK ab 12

Milla (Eliza Scanlen) trifft Moses (Toby Wallace) – das will der deutsche Titel in Englisch von „Babyteeth“ eigentlich sagen: Milla trifft Moses und das brave Mädchen betritt eine neue Welt. Die Begegnung und der neue Haarschnitt machen aus der Geigen-Schülerin aus sehr gutem Hause einen anderen Menschen. Erst nimmt Moses Milla zu sich nach Hause, worauf seine Mutter direkt die Polizei anruft. Dann nimmt Milla den Herumtreiber und Gelegenheitsdealer Moses mit zu sich, was Mama Anna (Essie Davis) ganz klasse findet, denn Papa Henry (Ben Mendelsohn), ein ziemlich entspannter Psychiater, hat ihr wieder die richtigen Pillen zum Entspannen gegeben. Eigentlich ist alles sehr angespannt, weil Milla unter der blonden Perücke keine Haare mehr hat und das wegen schwerem Krebs und Chemotherapie.

Thematisch und inhaltlich ähnelt „Milla meets Moses“ dem deutschen Film „Gott du kannst ein Arsch sein“, der auch gerade im Kino läuft. Doch das grandiose, traumhafte und schillernde Meisterwerk aus Australien ist ein ganz anderer Krebsfilm – tatsächlich voller wilder Lebenslust. Erst eingezwängt in Architektur und Kunst der schicken Villa, dann Ausbrechen bis zu einer grandios gefilmten und vertricksten Party-Sequenz in Neon. Überhaupt die Farben: Von Mimis Klamotten und den Himmeln ein Genuss! Diese Liebesgeschichte ist ein Rausch, nur ist der Systemgegner Moses selbst keineswegs stabil genug, um die großen Gefühle einer Todkranken zu tragen. „Wenn Leute sich für eine Sache entscheiden, werden sie funktional. Ich will nicht funktionieren.“ So ist diese Liebe auch eine schwierige.

„Milla meets Moses“ basiert auf dem Theaterstück „Babyteeth“ von Rita Kalnejais, feierte seine Weltpremiere 2019 bei den Filmfestspielen in Venedig. Toby Wallace wurde dort für seine Darstellung des Moses mit dem Preis für den Besten Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Eindrucksvoller spielt aber Eliza Scanlen („Little Women“) die aufmüpfige Krebspatientin.

Irgendwie erinnert „Milla meets Moses“ mit seinem liebenswert sympathisch makabren Humor an den alten Klassiker „Harold & Maude“. Ironische Kapitel-Überschriften und ein sehr schön lebendiger Soundtrack („Golden Brown“ mit Streichern) komplettieren das Vergnügen eines rundum gelungenen und stimmigen Films. Nicht nur Moses, auch Vater Henry, ein gelangweilter Psychiater, macht auf seine Art verrückte Dinge. Er mit der hochschwangeren Nachbarin, deren Hund Henry weggelaufen ist. Das eigentliche Drama kommt ganz ohne Sentimentalitäten daher und haut dabei am Ende umso mehr um.


Ein FILMtabs.de Artikel