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Die sagenhaften Vier

BRD 2018 Regie: Christoph Lauenstein 92 Min. FSK ab 0

Nach dem enttäuschenden Zeichentrick-Klamauk „Luis und die Aliens“ zeigen die Brüder Lauenstein in der witzigen Variation der Bremer Stadtmusikanten wieder Qualitäten, mit denen sie 1989 ihren Oscar-Sieger „Balance“ realisierten.

Schon beim Namen Marnie könnte man an Hitchcock denken, aber die pummelige Hauskatze ist alles andere als ein wildes Biest, das Krimi-Zitat folgt später. Doch wie liebevoll ihre Geschichte, ihr Zuhause und ihre Detektiv-Leidenschaft hier gezeichnet werden, macht „Die sagenhaften Vier“ zum sagenhaften Film über vier vertriebene Tiere.

Auch der ängstliche Wachhund Elvis, der Yoga-liebende Hahn Eggbert und das Zebra Mambo Dibango bekommen eine mehr oder weniger verrückte Vergangenheit zugeschrieben. Dabei macht schon ihre Zeichnung Spaß. Die tolle Animations-Qualität zeigt jedes Härchen und Federchen messerscharf. Angesiedelt in einem englischen Dorf mit verliebten deutschen Postboten ist neben den vier Viechern auch eine mysteriöse Diebstahl-Serie. Bei den Bauern wird jeweils ein Ölgemälde, Schmuck und eine riesige Unterhose geklaut! Ausgerechnet Paul, der Stiefbruder von Marnies Katzenmutter Rosalinde, leitet den Raubzug aus seinem Rollstuhl mit Helikopter-Antrieb. Marnie kommt ihm auf die Schliche und wird prompt per Post-Paket zum Nordpol adressiert. Auf dem Weg kommt sie mit Elvis, der von seinem Hof gejagt wurde, mit Eggbert, den seine unbefriedigten Hühner in den Topf stecken wollen, und mit dem Zirkus-Zebra Mambo zusammen. Bald wird die Truppe als Kunsträuber gesucht.

Zebra, Hund, Katze und Hahn – das sind nicht ganz die Bremer Stadtmusikanten gemäß Brüder Grimm, doch die fein gezeichneten Persönlichkeiten der vier nicht wirklich traurigen Helden haben auch ein paar Überraschungen in petto. Genau wie der Film, der auf offenem Feld locker witzig die Hitchcock-Szene mit dem Sprüh-Flugzeug voller Glyphosat zitiert. Bei einem atemberaubenden Balance-Akt auf Flugzeug-Flügeln erinnern die deutschen Trickfilm-Brüder Lauenstein sogar an ihren eigenen Oscar-Erfolg „Balance“. Mit „Die sagenhaften Vier“ konkurrieren sie locker und verrückt mit dem berühmten englischen Filmstudio Aardman Animations („Shaun das Schaf“, „Wallace und Gromit“, „Hennen rennen“). Man weiß bei diesem bunten Ideenreichtum, gar nicht was mehr begeistert: Die klasse gezeichneten Autos und Figuren, die irren Geschichtchen oder das Zebra, Seifenblasen rülpst.

Axel Prahl spricht den ängstlichen Wachhund Elvis und Alexandra Neldel leiht Hauskatze Marnie ihre Stimme.


Ein FILMtabs.de Artikel