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Der Bogen

Der Bogen
Südkorea 2005 (Hwal) Regie: Kim Ki-Duk, mit JEON Sung-Hwan, HAN Yeo-Reum, SEO Ji-Seok 90 Min. FSK ab 12
 
Der alte Mann, das Meer und das Mädchen
 
Ein Bogen, der gleichzeitig Musikinstrument wie Waffe ist. Diese Idee reicht für einen wunderbaren Film, wenn er denn von Kim Ki-Duk ist! Der geniale Süd-Koreaner, einer der kreativsten und gleichzeitig emsigsten Filmemacher unserer Zeit, verlegt Wilhelm Tell auf ein Fischerboot weit draußen vor der Küste Koreas … Nicht ausgefallen genug? Dann setzen wir die Geschichte noch auf eine Schaukel, behängen diese mit bunten Bändern der Poesie und fertig ist der 12. Film von Kim Ki-Duk, ein erstaunlich leichter, wunderschön einfacher.
 
Die so bösen Angelhaken seiner ersten, zeitweilig recht schmerzhaften Filme ("The Isle") werden hier nur noch mal als augenzwinkerndes Zitat ausgeworfen. Irritierende Alltagsverrückungen wie bei den nahezu religiös prostituierenden Mädchen von "Samaria"  (Silberner Bär der Berlinale) oder der Liebes-Diebes-Romanze "Bin Jip – Leere Häuser" (Silberner Löwe in Venedig) fehlen auf der ruhigen See ebenso wie die existenziellen Probleme aus dem Lebenszyklus des einsamen Mönches in "Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und Frühling".
 
Obwohl – wenn man das Mädchen fragen würde, das von dem alten Kapitän des Fischkahns hier zehn Jahre lang großgezogen wurde und ihren Paten heiraten soll, sobald sie 17 ist, könnte sie das schon als existenziell empfinden. Doch einstweilen versorgt sie kindlich die Angler, die hier heraus schippern und einen frischen, fischreichen Hochseetag verbringen. Besondere Gäste erhalten die Gnade einer Weissagung: Dabei schaukelt das Mädchen auf einem Trapez draußen vor der mit einem Buddha bemalten Schiffswand. Der alte Mann treibt in einem Kahn und schießt mit verbundenen Augen einen Pfeil auf den Buddha … haarscharf am Mädchen vorbei, das daraufhin mit einer geflüsterten Weissagung aufwartet.
 
Ansonsten landet bei begehrlichen Blicken der Gäste der Pfeil Amors schon mal gefährlich nahe am Bein des Unverschämten. Eine verspielte einsame Seligkeit – bis ein junger Student auftaucht und mit seinem Walkman dem Saitenspiel des Alten Konkurrenz macht. Das Mädchen ist verliebt, will nicht mehr heiraten und auch der Junge lässt sich nicht verjagen. Zu dritt auf dem Boot entwickelt sich ein Drama, allen Erwartungen gegen den Strich gebürstet…
 
Blicke, Blicke, Blicke: Wortlos lächelnd, begehrlich, eifersüchtig, schmachtend, wütend… Der alte Mann schießt erst böse Blicke aus den Augen, dann ohne ein Wort der Warnung seine Pfeile ab. Kim Ki-Duk erzählt in erstaunlich einfachen Bildern ungeheuer eindrucksvoll. Sanfte Tragik entfaltet sich in atemberaubender Schönheit. Es sieht mit den bunten Bändern und Kleidern ein wenig nach Folklore aus, aber auch diese Geschichte hat ihre Widerhaken. Nachdem die Entfernung des Mädchens dem Alten nicht nur sprichwörtlich den Atem raubte, der nach unmöglichen Ewigkeiten blutig zwischen den Beinen des lustvoll stöhnenden Mädchens landet. Sehr wunderlich: Gibt es die Begattung durch einen Geist auch im koreanischen Buddhismus? Doch wenn die Christen schon den Rosenkranz geklaut haben, ist Marias jungfräuliche Zeugung vielleicht auch ein Plagiat. Kim Ki-Duks Werke hingegen sind einzigartig.


Ein FILMtabs.de Artikel