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Extrawurst
Knauer, 100 min
Ein Tennisclub in der westdeutschen Provinz. Heribert führt die
Geschicke seit Jahrzehnten mit fester Hand als Vorsitzender. Sein
Stellvertreter Matthias hat wenig zu melden. Alles geht seinen gewohnten
Gang bei der Sitzung im Vereinsheim, bis Melanie vorschlägt, für ihren
Doppelpartner Erol einen zweiten Grill anzuschaffen. Schließlich ist er
Moslem und darf kein Schweinefleisch essen. Da wäre ein Entgegenkommen
ja nur richtig in einer aufgeklärten Gesellschaft. Der Deutschtürke
winkt ab, aber Melanie versteift sich auf die Idee und regt eine
Grundsatzdiskussion an, die bald aus dem Ruder läuft. Die
»Stromberg«-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob schrieben mit
ihrem Bühnenstück »Extrawurst« eine Figurenaufstellung zur Lage der
Nation. Bissig nach rechts und links austeilend, halten sie der
deutschen Gesellschaft den Spiegel vor. In cleveren Dialogen entlarven
sie die Spießigkeit des Kleinbürgers und die Überheblichkeit der
»Woken«. Das ist fast schon zu deprimierend nah an der Realität für eine
Komödie. Marcus H. Rosenmüller (»Wer früher stirbt ist länger tot«)
gelingt es, den Biss von der Bühne auf die Leinwand zu übertragen, dank
eines großartigen Ensembles: Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst,
Anja Knauer und Fahri Yardim, »der Erol«, über den alle in dritter
Person sprechen. Im Theater kann man mitentscheiden, ob »der Erol«
seinen Grill bekommt und die Vereinsmitglieder wieder zusammenfinden.
Das Ende im Kino wirkt da doch recht hingebogen. Als Gesprächsangebot
ist »Extrawurst« aber ein Matchwinner.
Ein FILMtabs.de Artikel
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 14.01.2026 / 5:34
- Rubrik:
- Kritiken LT
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