« Extrawurst | Home | Ein einfacher Unfall »
Silent Friend
Wedler, 147 min
Sie sind überall und beobachten uns. Stumme Zeugen der Zeit. Was denken
Pflanzen über uns? Was fühlen sie? Die ungarische Regisseurin Ildikó
Enyedi (»Körper und Seele«) stellt sich diese Frage in ihrer Zeitreise
durch drei Epochen. 1908 bewirbt sich Grete als erste Frau an der
Universität in Marburg. Dort ist sie der Diskriminierung des
Lehrpersonals schutzlos ausgeliefert und entdeckt ihre Leidenschaft für
die Fotografie. 1972 lebt der junge Student Hannes am Rande der Stadt
und verliebt sich in Gundula, ist aber zu schüchtern, den ersten Schritt
zu machen. Im Jahr 2020, inmitten der Corona-Pandemie, sitzt schließlich
der Wissenschaftler Tony auf dem menschenleeren Campus fest und studiert
den Ginkobaum im Garten der Universität. Der mächtige Baum ist der
zentrale Protagonist von Enyedis philosophischem Film. Immer wieder
sieht man die Ereignisse aus seiner Perspektive. Makroaufnahmen von
Tautropfen, Spinnennetzen und Blättern verleihen dem Film etwas
Abstraktes. Geredet wird wenig. In seiner zweieinhalbstündigen Laufzeit
entwickelt der vielfach preisgekrönte Film einen Sog. Die Grenzen der
Zeit verwischen, werden von einer Linie zu einer Ebene, die assoziativ
alles vereint, ganz ähnlich wie Mascha Schilinski »In die Sonne schauen«
inszenierte. In den Hauptrollen glänzen Tony Leung (»In the Mood for
Love«) und Luna Wedler, die beim Filmfestival in Venedig mit dem
Darstellerinnenpreis ausgezeichnet wurde.
Ein FILMtabs.de Artikel
Du liest zur Zeit “Silent Friend,” einen Artikel auf filmtabs
- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 14.01.2026 / 5:34
- Rubrik:
- Kritiken LT
Die Kommentarfunktion ist geschlossen.
Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist zur Zeit deaktiviert.