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Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf
„God Bless America“ läuft im Radio und Albrecht Weinberg singt lauthals mit. Man kann es ihm nicht verdenken, schließlich hat ihm das einstige „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ 60 gute Jahre geschenkt, nachdem er bereits den Glauben an das Gute im Menschen verloren hatte. 1947 kam Albrecht Weinberg mit seiner Schwester Friedel nach New York – aus dem Konzentrationslager in Auschwitz. Nie wieder wollte er zurück in das Land der Täter. „Wir wollten vergessen“, sagt er. Doch dann erlitt Friedel einen Schlaganfall und sie kehrten in ihre Heimat Ostfriesland zurück, wo Friedel kurz darauf starb. Seitdem erzählt Albrecht seine Geschichte, in Schulklassen und bei Gedenkveranstaltungen. Die Kamera von Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel begleitet ihn dabei respektvoll. Noch immer kann er die Lieder auswendig, die am Morgen auf dem Adolf-Hitler-Platz gegenüber seines Elternhauses gesungen wurden. Wenn er sie schließlich gemeinsam mit dem Pfarrer singt, der einst in der Hitlerjugend war, ist das ein starkes Zeichen der Versöhnung. Albrecht Weinberg lernte zu vergeben. Der Dokumentarfilm zeigt aber auch, wie schwierig die Aussöhnung mit den früheren Tätern ist. Ein Glück für den Film ist, dass neben den Geschichten auch die Bilder überlebt haben, die Weinberg vor seiner Gefangennahme an Freunde übergab. Gemeinsam mit seinen Erzählungen bilden sie ein schreckliches, aber sehr wichtiges Zeitdokument. „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“ ist ein Film über zwei bemerkenswerte Menschen. Nachdem die Krankenschwester Gerda Dänekas Albrechts Schwester in den Tod begleitete, nahm sie ihn bei sich auf und pflegte ihn. Im Mai starb Albrecht Weinberg mit 101 Jahren. Bis zuletzt war sein Geist wach und die Bilder in seinem Kopf lebendig.
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 27.08.2026 / 1:10
- Rubrik:
- Kritiken LT
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