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Primetime
Skyler Gisondo, 110 min
Mit dem Format »To Catch a Predator« für den TV-Sender NBC machte der
US-Journalist Chris Hansen Mitte der 2000er Jahre eine Form der
Selbstjustiz salonfähig, indem er Pädophile in eine Falle lockte und
öffentlich bloßstellte. Über Chats und Foren gewannen seine Mitarbeiter
das Vertrauen der Triebtäter und vereinbarten ein Treffen, bei dem
Hansen sie vor laufender Kamera zur Rede stellte.
Die Reality-Show sorgte für Diskussionen darum, wie weit das Fernsehen
gehen darf und sollte. Im vergangenen Jahr rollte der Regisseur David
Osit in seinem Dokumentarfilm »Predators« den Fall neu auf.
Dokumentarfilmer David Osit sprach mit Mitwirkenden und auch mit Hansen
selbst und zeichnete ein ambivalentes Bild. Ging es den Machern wirklich
um Aufklärung oder nur um die Befriedigung der Sensationslust des
Millionenpublikums? Heiligt der Zweck jedes Mittel? Osit gelang es mit
seinem Film die Kontroverse aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten
und den Betrachter zum Nachdenken anzuregen.
Nun hat sich der Dokumentarfilmregisseur Lance Oppenheim an eine
Fiktionalisierung des Stoffes gewagt. Er schildert die Ereignisse hinter
den Kulissen und macht daraus einen hochspannenden Thriller. An dessen
Anfang ist Chris Hanson (Robert Pattinson) noch ein aufstrebender
Fernsehjournalist mit zweierlei Visionen. Er will pädophile Triebtäter
zur Strecke bringen und die Welt verbessern. Daneben geht es ihm aber
auch darum, dass seine journalistische Arbeit endlich die Anerkennung
erhält, die sie in seinen Augen verdient. Hansons Ambitionen machen vor
allem seiner Produzentin Andie Bender (Merritt Wever) das Leben schwer.
Der Getriebene entscheidet erratisch und ist zunehmend abgelenkt von
einem anonymen Anrufer, der dem verheirateten Vater droht, seine
Liebesaffäre auffliegen zu lassen.
Robert Pattinson spielt das hervorragend mit der von ihm schon aus „Das
Drama“ oder „Die My Love“ bekannten Mischung perfider Hilflosigkeit. Er
spielt Hanson als einen Mann, der bereit ist, alle mit sich in den
Abgrund zu reißen. Die Inszenierung mit den grobkörnigen Aufnahmen aus
den Überwachungskameras und extremen Close-Ups sorgt für Beklemmung. Die
Figur des »Decoy-Dan« (Skyler Gisondo), einem jugendlich-naiv wirkenden
Lockvogel, verleiht der Geschichte zusätzliche Tragik. Wer die Doku
allerdings bereits gesehen hat und weiß, welchen Ausgang Hansons
Karriere nahm, der findet auf Seiten der Story nur wenig Neues. Ein
unangenehmes Kinoerlebnis, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Ein FILMtabs.de Artikel
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 24.09.2026 / 5:46
- Rubrik:
- Kritiken LT
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