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Über Unterbiberger

D 2026 R: Matthias Ditscherlein V: Filmperlen 92 Min.

Volksmusik – Ein Heiligtum (süd)deutscher Identität. Als Außenstehender
verbindet man die Blasmusik eher mit Bier und Oktoberfest. Franz Himpsl
macht Volksmusik. Mit seiner Frau Irene und den beiden Söhnen hat er die
Unterbiberger Hofmusik gegründet. Aber die Himpsls haben in ihrem
Repertoire nicht nur Volkslieder, sie spielen auch Jazz und Klezmer in
Marokko, Ägypten und dem Iran. Wie aus dem Lehrer in einer bayrischen
Kleinstadt ein musikalischer Botschafter wurde, der um die Welt reist
und mit den Größen des Jazz spielt, erzählt Matthias Ditscherlein in
seinem mitreißenden Dokumentarfilm „Über Unterbiberger“. Über zehn Jahre
begleitete er die Familie bei ihren Reisen und in ihrem Umfeld in dem
Vorort von München. Er fängt die großen Augen und überraschten Gesichter
ein, wenn Franz in Lederhose die Saz – eine orientalische Laute – zückt
und darauf, wechselnd mit der Trompete, seine Interpretation türkischer
Volkslieder singt. Ist ist aber auch im Breisgau bei den Freunden der
Familie, backstage in Marrakesh und bei der Arbeit mit Kindern im
ägyptischen Shibin el-Kaum dabei. So entsteht ein Porträt, das ebenso
umtriebig ist wie sein Protagonist. Franz ist der Zampano, der die
Familie auf Trapp hält und auch gern den Mittelpunkt der Doku einnimmt.
Seine Bereitschaft zum musikalischen Austausch ging soweit, dass er
neben Türkisch auch Arabisch lernte, um auch den Zugang zu den Kindern
zu finden und in ihnen die Leidenschaft für Musik zu wecken. Mit Respekt
und Offenheit verbinden die Himpsls Kulturen über die einende Sprache
der Musik. „Nur nicht in die Hosen scheißen“, ist das Motto, immer
neugierig darauf neue Kulturen aufzusaugen. „Über Unterbiberger“, der
die Hofer Filmtage eröffnete, mag eine etwas einseitige Geschichte
erzählen. In seiner Begeisterung ist er aber ein beseeltes Plädoyer für
das was uns verbindet.


Ein FILMtabs.de Artikel