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Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf

D 2026 R: Güner Yasemin Balci, Jesco Denzel 92 Min.

„God Bless America“ läuft im Radio und Albrecht Weinberg singt lauthals
mit. Man kann es ihm nicht verdenken, schließlich hat ihm das einstige
„Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ 60 gute Jahre geschenkt, nachdem
er bereits den Glauben an das Gute im Menschen verloren hatte. 1947 kam
Albrecht Weinberg mit seiner Schwester Friedel nach New York – aus dem
Konzentrationslager in Auschwitz. Nie wieder wollte er zurück in das
Land der Täter. „Wir wollten vergessen“, sagt er. Doch dann erlitt
Friedel einen Schlaganfall und sie kehrten in ihre Heimat Ostfriesland
zurück, wo Friedel kurz darauf starb. Seitdem erzählt Albrecht seine
Geschichte, in Schulklassen und bei Gedenkveranstaltungen. Die Kamera
von Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel begleitet ihn dabei
respektvoll. Noch immer kann er die Lieder auswendig, die am Morgen auf
dem Adolf-Hitler-Platz gegenüber seines Elternhauses gesungen wurden.
Wenn er sie schließlich gemeinsam mit dem Pfarrer singt, der einst in
der Hitlerjugend war, ist das ein starkes Zeichen der Versöhnung.
Albrecht Weinberg lernte zu vergeben. Der Dokumentarfilm zeigt aber
auch, wie schwierig die Aussöhnung mit den früheren Tätern ist. Ein
Glück für den Film ist, dass neben den Geschichten auch die Bilder
überlebt haben, die Weinberg vor seiner Gefangennahme an Freunde
übergab. Gemeinsam mit seinen Erzählungen bilden sie ein schreckliches,
aber sehr wichtiges Zeitdokument. „Albrecht Weinberg – Es ist immer in
meinem Kopf“ ist ein Film über zwei bemerkenswerte Menschen. Nachdem die
Krankenschwester Gerda Dänekas Albrechts Schwester in den Tod
begleitete, nahm sie ihn bei sich auf und pflegte ihn. Im Mai starb
Albrecht Weinberg mit 101 Jahren. Bis zuletzt war sein Geist wach und
die Bilder in seinem Kopf lebendig.


Ein FILMtabs.de Artikel