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11th Hour – 5 vor 12
USA 2007 R: Nadia Conners, Leila Conners Petersen 91 Min.
Die Erde ist im Arsch. Das wissen wir nicht erst seit Al Gores Aufklärungsfilm “Eine unbequeme Wahrheit”. Hierzulande haben wir für diese Zwecke eine grüne Partei mit vergleichsweise breiter Akzeptanz und eine halbwegs ökologisch bewusste Regierung. In Deutschland wird mit so etwas Wahlkampf betrieben. Außerdem ist Öko gerade in, wie nie zuvor und mittlerweile selbst bei Aldi zu haben. Wofür brauchen wir also diesen Film?
Sicher, gemacht ist er eher für das breite amerikanische Volk, die Unwissenden, die weiterhin gedankenlos ihr Petroleum in die Luft blasen, die Burgerboxen aus dem Autofenster werfen und im Winter bei laufender Klimaanlage und Festbeleuchtung die Kühlschranktür offen stehen lassen, während im Hintergrund der Radiator brummt. Die sollen mit Ökofuzzi DiCaprio, der seit den Dreharbeiten zu THE BEACH als Schmutzfink verschrien ist und seitdem gegen dieses Image ankämpft, angelockt werden, sich aufklären zu lassen.
Für den internationalen Markt sind US-Dokus oftmals weniger gemacht. Schon Michael Moores “Fahrenheit 911” zeigte den Europäern lediglich, was sie eh längst wussten. Wenn man sich dem Lehrfilm “11th Hour” aber erst einmal hingibt, wird schnell klar, dass er sich doch eher an den aufgeklärten Demokraten und Green Party-Wähler richtet. Denn die Informationen, die Wissenschaftler, Autoren und Mitarbeiter grüner Organisationen hier im Stakkato auf den Zuschauer niederprasseln lassen, überfordern selbst den Freund des französischen Dialogkinos. Da werden Weisheiten verfeuert, Fakten aufgelistet und stylische Grafiken präsentiert, die so schnell von der Leinwand verschwunden sind, dass man sie manchmal gar nicht lesen kann.
Einiges bleibt dann aber doch hängen und macht sich sicher bestens bei der nächsten Ökologenparty: wussten Sie etwa, dass bis zum Jahr 1930 nur 2, bis 1960 etwa 3 und heute ganze 6 Milliarden Menschen den Erdball bevölkern und bevölkerten? Auch dass ständig davon geredet wird, „die Natur vor dem Untergang zu bewahren“ wird als idiotisches Unterfangen entlarvt, denn die Natur wird es noch geben, lange nachdem wir Menschen uns selbst den Garaus gemacht haben.
Leo präsentiert das Alles mit überzeugender Betroffenheitsmine, so dass wir am Ende bereit sind, jede 0800er-Nummer zu wählen, um unser Gewissen rein zu waschen.
Ein FILMtabs.de Artikel
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 14.11.2007 / 4:50
- Rubrik:
- Kritiken LT
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