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Liebe zu Besuch

USA 2017 (Home again) Regie: Hallie Meyers-Shyer mit Reese Witherspoon, Michael Sheen, Candice Bergen 98 Min. FSK: ab 0

Eine wohlhabende und wohlbehütete Tochter aus Hollywoods Künstlerkreisen sitzt an ihrem 40. Geburtstag mit groß empfundener Lebenskrise heulend im Bad. Die unterschätzte und meist unterbesetzte Reese Witherspoon („Devil’s Knot“, „Der große Trip – Wild“) spielt diese Alice Kinney glaubhaft und gewinnt ihr im Alleingang viele Sympathien. Um zu verstehen, weshalb diese kleine Komödie aus dem Ausstattungskatalog der Reichen und Schönen so holperig daherkommt, muss man auf die Familienverhältnisse der Regisseurin schauen: Hallie Meyers-Shyer ist Tochter der Komödien-Königin Nancy Meyers. „Liebe braucht keine Ferien“, „Was das Herz begehrt“, „Was Frauen wollen“, das Remake von „Vater der Braut“ – wenn zuhause solche Filme geschrieben werden und man als Kind selbst oft mitspielt, muss frau einfach die eigenen Probleme als kleine Drama-Queen auf die Leinwand bringen. Mama produziert ja behütend mit.

So sehen wir die Tochter aus der Filmbranche als Hauptfigur. Und eine Lebenskrise, die aus Entfremdung vom Ehemann besteht, worauf Alice zurück nach Los Angeles zieht, in eine Villa, die problemlos drei Untermieter aufnimmt. Bei Rundum-Betreuung der beiden Töchter und genügend Langeweile, um sich mal als Raum-Dekorateurin auszuprobieren. Dass die drei Mieter ihren ersten eigenen Film realisieren wollen und alle mehr oder weniger in die viel ältere Alice verliebt sind, gibt der romantischen Komödie etwas Futter. Allerdings verlaufen die Gefühlswirrungen zu selten mit diesen leichten, eleganten Montagen, die an das Erzählen von Mutter Meyers erinnern. Dafür gibt es im luftigen Mini-Drama „Liebe zu Besuch“ einen Hauch vom Independent-Film, zeitweise wirkt es gar französisch. Mit Michael Sheen als plötzlich zurückkehrendem Ehemann und Candice Bergen als Mutter ganz fantastisch besetzt, ergibt sich eine sympathische Geschichte. Ein ganz interessantes Debüt, nur nicht unbedingt Stoff fürs große Kino.


Ein FILMtabs.de Artikel