Der Barbier von Sibirien

Russland/Fr/I/Tschechien 1999 (Sibirsky ciryulnik) Regie Nikita Michalkow, 177 Min.

Der Regiezar Nikita Michalkow sehnt sich im "Barbier von Sibirien" nach guten alten Zeiten Russlands zurück. Damals gab es noch schöne Romantik, echte Kameradschaft und vor allem einen Zaren! Die Liebe einer jungen Amerikanerin zu einem Offiziersanwärter in Moskau spielt vor der letzten Jahrhundertwende. Um eine wahnsinnige Maschine, die in Sibirien automatisch Bäume wie Haare scheiden soll - der "Barbier von Sibirien" - entspannt sich im Jahr 1885 eine Intrige und schließlich eine Liebe mit tragischem Ausgang.

Das ebenso üppige wie konservative Drei-Stunden-Epos war im letzten Jahr noch spannend, weil Michalkow sich als möglichen Kandidaten für das Amt des russischen Präsidenten in Spiel brachte. Dass der Regisseur von "Urga" oder "Schwarze Augen" die Russen als sehr kultiviertes Volk darstellt - immer wieder fließen literarische und musikalische Zitate mit ein, während ein amerikanischer Offizier Mozart nicht kennt - schön und gut! Daß jedoch Michalkow selbst, den Zar spielend, populistisch auf Stimmenfang beim hochgelobten russischen Soldaten geht, ist äußert seltsam. Die USA hatten zwar schon mal einen (Profi-) Schauspieler als Präsidenten, aber da war die Situation des Landes etwas stabiler. Michalkow Familie stand dem Herrschaftskreis von Stalin nahe.

Solche Ausschweifungen mögen erlaubt sein, da der Film an sich zwar reichlich Kulisse und Kostüm bietet, aber ansonsten nur überlangen Historienstandard. Weder Julia Ormond als junge Amerikanerin noch Oleg Menschikow als liebestoller russischer Opernsänger können die uninspirierte Behäbigkeit dieses riesigen Filmkolosses dauerhaft beleben.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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