28 Days Later

GB/USA 2002 (28 Days Later) Regie: Danny Boyle mit Cillian Murphy, Naomie Harris, Christopher Eccleston 112 Min. FSK: ab 18

Der Mensch ist selbst sein größter Feind und so sind nicht die rasenden Tiere in den Versuchlabors gefährlich, sondern der Virus, den man ihnen infiziert hat. Ein paar wohlmeinende Tierversuchsgegner befreien die Affen und innerhalb weniger Tage rotten sich die Menschen Londons in wilder Raserei selbst aus. 28 Tage nach diesem Prolog setzt der Film ein, der Koma-Patient Jim (Cillian Murphy) erwacht in einem verwüsteten Krankenhaus und wandert verstört durch eine menschenleere Stadt. (Man denkt, er könnte jeden Moment Bruce Willis aus "12 Monkeys" begegnen ...) Erst in der Nacht tauchen einige Zombies auf, die ihn blutrünstig verfolgen. Mark (Noah Huntley) und Selena (Naomie Harris) retten Jim und klären ihn auf, was in den letzten 28 Tagen passiert ist. Wie hoffnungslos die Situation ist, erfährt der Neuling, als Mark von einem Infizierten gebissen wird und die knallharte Selena ihn sofort umbringt - es gibt keine Gnade mehr, kein Mitleid, nur noch das Überleben zählt. Als jedoch eine Radiomeldung von einem sicheren Camp bei Manchester zu hören ist, versuchen sie die Stadt zu verlassen ....

Nach aufwändigen Hollywood-Produktionen hat Danny Boyle ("Trainspotting", "Lebe lieber ungewöhnlich", "The Beach") diesen in besten Momenten mehr erschreckenden als schrecklichen Film digital blass aufgenommen. Doch seine Meisterschaft in Inszenierung und Schnitt, die abwechslungsreiche Gestaltung mit weiten und engen Bildausschnitten, atemberaubenden akustischen Pausen macht "28 Days Later" zu einem packenden Erlebnis. Der Film ist spannend nicht wegen der Zombieattacken, sondern wegen seiner glaubwürdigen Figuren - das Buch stammt von Alex Garland, der auch "The Beach" geschrieben hat.

Leider findet sich die Wanderung durch ein nahezu menschleeres Land zum Ende hin in einer engen und konventionellen Situation wieder. Das Schlosskammer-Spiel mit Soldaten, die auch ohne Virus als rasende Bestien durchgehen, diese Darwin-Lektion nimmt dem Film viel von seiner anfänglichen Einzigartigkeit. Die Action wirkt wesentlich schwächer als die Stimmung einer toten Stadt. Kameramann Anthony Dod Mantles ("Das Fest") fing diese Bilder ein, zwischendurch arbeitet Boyle dann mit den gleichen Dummheiten wie ein Horrorfilm. So geht das moralische Dilemma Jims, der selber zur Bestie werden muss, in der gröberen Bedrohung unter und man wünscht sich die Menschenleere des Anfangs wieder.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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