Billy Elliot

GB 2000 (Dancer) Regie Stephen Daldry, 110 Min. FSK ab 6

Immer wieder gehen ganz besondere Filme wie Sterne auf und erobern ohne Wenn und Aber die Herzen der Zuschauer. Dann regnet es Publikumspreise und man sieht mehr glückliche Menschen rund um die Kinos. ,,Billy Elliot" ist so ein Highlight bei dem Geschichte, Figuren und vor allem die emotionale Dramaturgie perfekt funktionieren.

Der Halbwaise Billy hat es mit seiner Tanzleidenschaft in der streikenden britischen Bergarbeiterregion schwer. Eigentlich sollte der schmächtige Junge in der Turnhalle Boxen lernen, doch den Ballettkurs nebenan findet er viel spannender. So sehen wir bald Schnürstiefel in einer Reihe mit Ballettschühchen trippeln, ein Hahn stolpert im Plissee-Korb herum. Mrs. Wilkinson (Julie Walters), die ruppige Tanzlehrerin mit Herz, erkennt trotzdem sein Talent. Doch eine Menge Ignoranz vor allem beim Vater ist zu überwinden, bis es zur Aufnahmeprüfung an der Londoner Royal Ballett School kommt. Der Streik belastet Geldbeutel und Nerven aufs Äußerste. Ein männlicher Tänzer hat in so einer Arbeitergegend mit allen möglichen Vorurteilen zu kämpfen. Vor allem Billys bester Freund muss ihn fragen: ,,Bist du jetzt schwul?" Doch am Ende geht der Vater für seinen Sohn durch die Hölle des Streikbruchs.

,,Billy Elliot" zeigt eine großartige, mutige und kraftvolle Befreiung aus der nicht selbst verschuldeten Unmündigkeit der Arbeitklasse. Die Schritte des Jungen sind einfach zu groß für den Zechenort. Tolle Tanzszenen, Anteilnahme am Arbeiterleben und beste Filmkunst machen dieses Schau- und Fühlvergnügen zu einem sicheren Kinohit. Es ist der wahre Nachfolger der arbeitslosen Stripper von ,,Ganz oder gar nicht". Schon im Vorspann hebt man mit Billy zu einem alten Song von T-Rex ab. Später gibt es eine sagenhafte Steppeinlage voller Wut und Frust zu ,,A Town Called Malice" von The Jam. Aber auch das große Vorbild Fred Astaire ist mit ,,Top Hat" präsent. Witzige Kontrast-Montagen sorgen für noch mehr Spaß und selbst der Widerwillen im Gesicht der Vaters, wer nur das Wort Ballett ausgesprochen wird, ist klasse. Die Kamera bewegt sich elegant, wunderbar ausgewogen veredelt sogar eine bittere Note das befreiende Finale: Der Streik scheitert letztlich, gedemütigt müssen die Arbeiter weitermachen. So ist der Traum eines tanzenden Jungen ein Märchen mit Herz und Hand und Fuß.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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