Wings of Courage / Imax 3D
Von Günter H. Jekubzik
Poitiers. Der französische Freizeitpark Futuroscope fügte mit einem Imax 3D-Gebäude seinem eindrucksvollen Kinopark eine weitere Attraktion hinzu. Die größere Sensation war jedoch die europäische Premiere des erstes Imax 3D-Spielfilms "Wings of Courage", mit dem der kanadische Imax-Konzern seine weltweit vierzehn 3D-Säle - von insgesamt 130 Imax-Theatern - in die Welt der Fiktion entführen möchte. Die gescheiterte Anden-Überquerung des französischen Flugpioniers Guillaumet sowie dessen tagelanger Überlebenskampf im Hochgebirge sind anderer Stoff als die bislang üblichen Tier- oder Naturdokumentationen.
Mehr als 700 internationale Journalisten ließen sich in Poitiers von den dreidimensionalen Effekten beeindrucken, wichen den Tragflächen vor ihrer Nasenspitze aus und schreckten vor Leuchtraketen zurück. Regisseur der einfachen, vierzigminütigen Geschichte ist Jean-Jacques Annaud, bekannt von "Am Anfang war das Feuer", "Im Namen der Rose" und "Der Liebhaber". Der Franzose erwies sich als perfekter Botschafter einer neuen Aufnahme- und Projektionstechnik, die ihm bei den Dreharbeiten allerdings enorme Probleme bereitete. Erst wenige Tage vor der New Yorker Premiere sah Annaud den Filmstreifen mit 3D-Effekt - der Schnitt erfolgte traditionell zweidimensional. Vielleicht fallen deshalb auch die Szenen mit Tiefenwirkung und die nur eindrucksvollen Aufnahmen der Landschaften so kraß auseinander. Trickreich inszenierte Innenräume erinnern an Hologramm-Puppenstuben. Riesige Gebirgsketten blieben dagegen ohne verblüffende Tiefenwirkung. Denn wie das menschliche Auge vermag auch das System aus zwei Kameras nur in einem relativ nahen Bereich dreidimensional zu sehen. Was weiter weg ist, bleibt "platt".
Annaud feierte trotz allem den Anfang einer neuen Epoche: Der Jahrhunderte alte Rahmen um das Bild sei gefallen, endlich können wir in das Bild hineingehen. Das Zurückschrecken des Publikums vor den 3D-Effekten erinnert den Pionier dieses Verfahrens an die Menschen, die vor hundert Jahren beim Film "Ankunft des Zuges" schreiend den Saal verließen. Billige, rot-grüne Folienbrillen sind dabei passé. Polarisiertes Licht und dazugehörige Gläser sorgen dafür, daß jedes Auge nur sein versetztes Bild aus den zwei Projektoren erkennt. Die sind wiederum die lichtstärksten der Welt, damit die 600 Quadratmeter große Leinwand bis in die Augenwinkel erstrahlen kann.
Für die nächsten Jahre plant der Imax-Konzern die Produktion von vier weiteren 3D-Spielfilmen für insgesamt 100 Millionen Dollar - so wurde in Poitiers gemunkelt. Daß noch zehn weitere 3D-Kinos hinzukommen sollen, steht fest. Das Imax in München erlebt nach seiner Umwandlung zum 3D-Kino im Oktober vielleicht die deutsche Premiere von "Wings of Courage".
Eine Kritik vonGünter H.Jekubzik
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