Mikrokosmos
Fr/CH 1996 (Microcosmos) Regie Claude Nuridsany, Marie Pérennou, mit Heuschrecke, Spinne, Ameise, Schnecke, Käfer u.a., 74 Min.
Eine Sternstunde des Tierfilms kündigt sich an. "The incredible shrinking camera" von Nuridsany und Pérennou bringt die Welt der Insekten unglaublich nah und klar auf die Leinwand. Mit eigens entwickelten Techniken realisierten die beiden Biologen millimeterkurze Fahrten, Zooms und Schwenks auf kleinsten Raum. Der Trip in den "Mikrokosmos" ist Lichtjahre von den Tierfilmchen des Fernsehen entfernt.
Wer konnte schon mal eine Gottesanbeterin aus der Perspektive eines kleinen Opfers in die Augen blicken? Eine Ameise trinkt vom Tautropfen, um bald darauf von einem gigantischen Truthahnschnabel verspeist zu werden. Die geheimnisvolle Lichtgestalt auf dem Wasser schlüpft zur Mücke mit ihrem gemeinen Summen. Zwei Schnecken paaren sich mit unglaublich erregender Sanftheit. Schillernde Schönheiten lassen jeden Ekel verfliegen. Selbst die tödliche Attacke einer Spinne ist aus dieser Entfernung faszinierend, nicht schauerlich. Die musikalische Begleitung legt die Emotionen in den Erzählbogen, der sich vom Morgengrauen bis zur Nacht spannt, mit prasselnder Sintflut und tödlicher Dürre. "Mikrokosmos" macht den Zuschauer klein. Nicht nur technisch, auch im Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt.
In dem Film mit vielen Massenszenen und einem minimalen Darstellerbudget sorgen Hirschkäfer für mörderische Kämpfe. Es muß allerdings vermutet werden, daß nach den Dreharbeiten einige Stars mit Füßen getreten wurden. Der übliche Hinweis der Tierschutzverbände fehlte im Abspann. Dafür mahnt der Song "Look at your feet!"
Günter H. Jekubzik
Fünf (von fünf unmöglichen) Dosen Insektenspray
Eine Kritik vonGünter H.Jekubzik
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