Die Dolmetscherin

USA 2005 (The Interpreter) Regie: Sydney Pollack mit Nicole Kidman, Sean Penn, Catherine Keener 128 Min. FSK ab 12

Hab ich was auf den Augen? Gibt es da tatsächlich Nicole Kidman als weißgewaschene Afrikanerin und alle Schwarzen sind Schurken? Es gibt! Abgesehen davon übersetzt "Die Dolmetscherin" jedoch ihr politisches und emotionales Anliegen sehr packend.

Ein Prolog um Morde in Afrika, Kindersoldaten und Hintermänner macht klar, um was es eigentlich geht, bevor in New York ein politischer Thriller inszeniert wird. Die Dolmetscherin Sylvia Broome (Nicole Kidman) hört nach Dienstschluss im Gebäude der Vereinten Nationen zufällig von einem geplanten Anschlag auf einen afrikanischen Staatsgast und wird schon bald darauf verfolgt. Der zerknitterte Agent vom Secret Service, Tobin Keller (Sean Penn), zweifelt erst einmal an Sylvias Geschichte. Weshalb hört ausgerechnet sie ein Gespräch in dem afrikanischen Dialekt, den kaum ein Mensch in New York versteht? Während aus Reibereien zwischen Tobin und Sylvia starke Anziehungen werden, erhält die Figur der Dolmetscherin eine tragische Vergangenheit.

Sylvia Broome wuchs im (fiktiven) afrikanischen Matobo auf und kämpfte, nachdem Eltern und Schwestern durch eine Mine starben, beim Widerstand gegen den einst legendären Befreier und Präsidenten Edmund Zuwanie. Jetzt will sie dem Frieden mit der Macht des Wortes helfen, verweist auf entscheidende Bedeutungs-Finessen (die in der Synchronisierung wohl kaum übersetzbar sind). Doch unter all dem liegt die Frage, wie mit Schmerz und Trauer umzugehen sei. In ihr verstehen sich die einsamen und verletzten Tobin und Sylvia. Mit afrikanischer Weisheit erklärt die blonde Frau: "Rache ist die bequeme Form der Trauer!"

Während Sydney Pollack (Regisseur, Produzent und Sercret Service-Boss im Film) eine packende Begegnung zweier spannender Figuren inszenierte, geriet seine politische Dramatik holperig. In der zum Diktator und Massenmörder verkommenen Figur Zuwanies kann man Zimbabwes greisen Dauerherrscher Robert Mugabe erkennen oder an andere Krisenherde in Afrika denken. Die Hoffnung auf die Arbeit der Vereinten Nationen wirkt geradezu rührend und erfährt eine Fortsetzung in Richtung des Internationalen Haager Gerichtes. Doch all die Spannung um den Anschlag bleibt gekonntes Inszenieren, das nur in wenigen Momenten bewegen kann. Etwa bei einem Bombenmassaker in den Straßen New Yorks, mit den unausweichlichen und völlig fehl gehenden Phrasen einer imaginäre al-Quaida.

So müssen und können vor allem Nicole Kidman und Sean Penn (wieder Polizist wie in Eastwoods "Mystic River") den privat- und weltpolitischen Film tragen.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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