La belle noiseuse

(Die schöne Querulantin) Fr. 1991, Regie: Jacques Rivette, 240 Min. OmU

Rivettes Film-Kunstwerk über den Entstehungsprozeß eines gemalten Kunstwerkes ist jetzt endlich in seiner kompletten Form zu sehen: Dabei handelt es sich nicht wie bei "Der mit dem Wolf tanzt" oder "Blade Runner" um eine nachträglich verlängerte Fassung, sondern tatsächlich um die Originalversion (mit Untertiteln). Das bedeutet gründlichere psychologische Zeichnung der Figuren, denn schon die Eröffnungssequenz des um die Hälfte gekürzten "Divertimentos" verzichtete zum Beispiel auf drei wichtige Dialoge. Die typische Art von Rivettes Filmen wird nicht auf dramatische Entwicklungspunkte reduziert, auch die ebenso entscheidenden Zwischenräume bleiben erhalten. Vier Stunden geben reichlich Zeit, die feinen Nuancen des Beziehungsgeflechts um den Maler, seine Frau, sein Modell, deren Mann und den Kunsthändler aufzuspüren. Am wertvollsten sind jedoch die erhaltenen Atelier-Momente, die in faszinierender Weise jeden Strich, von den ersten, rauhen mit der Feder bis zu den letzten farbigen des Pinsels, verfolgen.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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