Bruder Esel (RTL, 9.10.96)

Von Günter H. Jekubzik

Das war ein erster Fall in der Geschichte belangloser deutscher TV-Serien. Schon der Vorspann haute kräftig in die Tasten der emotionalen Klaviatur. Die Stimmung im Kloster von Pater Lutger war fast so düster und trübsinnig wie im filmischen Mittelalter von "Der Name der Rose". Kein Wunder, daß Lutger da weg wollte. Der einfach gestrickte Gegensatz zwischen dem Kloster- und dem freien Leben machte die Entscheidung leicht. Naheliegend auch, daß die dem Leben entfremdete Theres sich dem Paterlein verbunden fühlte. Es folgte eine unvermeidliche Liebe mit den Komplikationen, die das Zölibat seit Jahrhunderten so mit sich bringt. Nette erste Unsicherheiten der Verliebten sorgten für Spaß.

Eine Handvoll besonders interessanter Figuren - mit groben Rest umher - machte selbst die Filmlänge unterhaltsam. Auf Fernsehniveau gab sich die Kamera einige Mühe. Auch Details in Wort und Ausstattung zeugen von Sorgfalt (Regie Stephan Meyer). Die Schauspieler boten richtig gutes Serienformat. Der Pilotfilm zur Serie "Bruder Esel" war ordentlich gemacht, aber nicht gut durchdacht: Die schematische Anlage der Lebenswelten brachte keinen Konflikt, das war nur Dramaturgie. Was soll denn bloß bei den kurzen, schnell gedrehten Serienfolgen daraus werden?


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