{"id":471,"date":"2007-05-16T12:52:45","date_gmt":"2007-05-16T11:52:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2007\/05\/16\/cannes-kino-hebt-ab\/"},"modified":"2007-05-16T12:52:45","modified_gmt":"2007-05-16T11:52:45","slug":"cannes-kino-hebt-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2007\/05\/16\/cannes-kino-hebt-ab\/","title":{"rendered":"Cannes-Kino hebt ab"},"content":{"rendered":"<p>Cannes. Noch bedeckt eine Schutzfolie den Roten Teppich, ein paar Ecken  des schon recht alten Betonbunkers namens &#8220;Palais des Festivals&#8221; werden  \u00fcbert\u00fcncht. Am Tag vor Wong Kar-Wais &#8220;My Bleuberry Nights&#8221;, dem  Er\u00f6ffnungsfilm der 60. Internationalen Filmfestspiele von Cannes (16. &#8211;  27. Mai 2007) hat man noch Zeit zum Bummeln und Quatschen. Und als ob es  um EINE Entscheidung ginge, schwebt eine Frage im Raum: Wird Cannes die  60. so sensationell wie das Programm erhoffen l\u00e4sst: David Fincher  (&#8220;Seven&#8221;), die Coen-Br\u00fcder (Cannes-Sieger mit &#8220;Barton Fink&#8221;, Kim Ki-Duk  (&#8220;Samaria&#8221;), Gus van Sant (Goldene Palme mit &#8220;Elephant&#8221;), der Maler und  Regisseur Julian Schnabel, Quentin Tarantino (palmiert mit &#8220;Palm  Fiction&#8221;), Fatih Akin (B\u00e4ren-Sieger mit &#8220;Gegen die Wand&#8221;), der elegische  Russe Sokurov und der ausufernde Emir Kusturica (Palme mit  &#8220;Underground&#8221;). Das war jetzt nicht die Gala-G\u00e4steliste f\u00fcr die  Jubil\u00e4umsfeier zur 60.Ausgabe des Filmfestivals von Cannes. Die  moderiert am 20. Mai Alain Delon, der nach 15 Jahren wieder die Treppen  zum Palast emporgejubelt werden wird. Das ist ein nicht ganz normaler  Cannes-Wettbewerb, der extrem neugierig macht. Das gr\u00f6\u00dfte Filmfestival  der Welt \u00fcbertrifft sich wieder einmal selbst.<br \/>\nWer wird denn gleich in die Luft gehen<br \/>\nAber bevor die Filme &#8211; oft als Weltpremiere &#8211; gelaufen sind, sollte man  Bodenhaftung bewahren. Was nicht alle machen: Das sehr sch\u00f6ne  Plakatmotiv zum 60. zeigt ber\u00fchmte Schauspieler und Regisseure freudig  schwebend. Zusammen mit der Agentur Magnum entwickelte man die Idee, die  Kultserie &#8220;Jump&#8221; des Fotografen Philippe Halsman aufleben zu lassen.  Schon 2006 sprangen 100 K\u00fcnstler in Cannes vor der Kamera herum und sind  jetzt in reizvoll grafisch gruppierten Ensembles &#8211; etwa mit Almodovar,  Binoche, Cruz und Bruce Willis &#8211; auf vielen Postern zu sehen.<br \/>\nFrauen d\u00fcrfen selbstverst\u00e4ndlich auch abheben, obwohl sie  traditionsgem\u00e4\u00df bei den Filmemachern im Wettbewerb seltene Bl\u00fcten sind:  Nur drei Damen stehen 21 Herren gegen\u00fcber. Daf\u00fcr darf dann das deutsche  Schauspiel-Nichts Diane Kr\u00fcger die Er\u00f6ffnungszeremonie leiten.  Spannender ist da schon der neue Wong Kar-Wai, der erste in Englisch  gedrehte Film des eigensinnigen Perfektionisten aus Hongkong: Die  S\u00e4ngerin Norah Jones (\u201eCome away with me\u201c) spielt darin Elizabeth, die  nach einer harten Trennung quer durch die USA reist, um die wahre Tiefe  von Einsamkeit und Leere zu erfahren. Ihren Weg als wandernde Kellnerin  kreuzen andere sehnende Figuren, gespielt von sch\u00f6nen Menschen wie Jude  Law und Rachel Weisz.<br \/>\nDer Moment kurz vor der Liebe ausgedehnt \u00fcber ein ganzes Leben, oder  zumindest einen sch\u00f6nen langen Film, mit m\u00f6glichst vielen kulinarischen  Szenen \u2026 das ist Wong Kar-Wai, das ist \u201eIn the mood for love\u201c. Nur  diesmal sind es nicht dampfende Nudelk\u00fcchen, in denen sich erst Blicke,  dann Sehns\u00fcchte und S\u00e4ume wunderbarer Stoffe streifen.<br \/>\nDie Jazz-Country-S\u00e4ngerin Norah Jones hat nicht die Eleganz von Gong Li,  der G\u00f6ttin aus Wong Kar-Wais asiatischen Filmen. Doch der Seitenwechsel  tut Wong Kar-Wai gut: Man erfreut sich an vielen bekannten Stilen,  erlebt aber auch ganz neu dynamische Montagen, etwas schnellere  Zeitlupen. Das gilt f\u00fcr Bild und Ton, den kreisenden Melodien von \u201eMood\u201c  gesellen sich Jones-Akkorde hinzu.<br \/>\n\u201cMy Blueberry Nights\u201c ist endlich mal ein richtiger Er\u00f6ffnungsfilm &#8211;  nicht eine Werbeveranstaltung f\u00fcr Hollywood (2006: &#8220;DaVinci Code&#8221;) oder  zu oft f\u00fcr einer eher gro\u00dfen als guten franz\u00f6sischen Film. Man k\u00f6nnte  Wong Kar-Wai auch schon die Goldene Palme geben f\u00fcr sein gro\u00dfartiges  Gef\u00fchlskino mit den wunderbaren Bildern.<br \/>\nNach den Er\u00f6ffnungsfeierlichkeiten sollte man sich wappnen, denn schon  Donnerstag nimmt David Fincher, der Regisseur von &#8220;Seven&#8221;, &#8220;Fight Club&#8221;  und &#8220;Panic Room&#8221; die Aufmerksamkeit mit einer b\u00f6sen Geschichte in  Beschlag: &#8220;Zodiac&#8221; erz\u00e4hlt von einem echten Serienkiller, der mit  verschl\u00fcsselten Botschaften narrte und bis heute nicht gefasst ist.<br \/>\nMan fragt sich wirklich besorgt, wie eine so heterogene Jury, die mit  dem sozialkritischen Briten Stephen Frears, dem t\u00fcrkischen  Schriftsteller Orhan Pamuk, der Hongkong-Schauspielerin Maggie Cheung,  der franz\u00f6sischen Darstellerlegende Michel Piccoli und der jungen  kanadischen Schauspielerin Sarah Polley besetzt ist, da zu einem Urteil  finden soll.<br \/>\nLetztes Jahr war Fatih Akin \u00fcbrigens in der internationalen Jury, jetzt  l\u00e4uft sein neuer Film &#8220;Auf der anderen Seite&#8221; im Wettbewerb. Er wurde  mitfinanziert aus Mitteln der Filmstiftung NRW, die sich im letzten Jahr  mit der F\u00f6rderung von Ken Loachs &#8220;The Wind that shakes the Barley&#8221; ein  Bl\u00e4ttchen von der Goldenen Palme verdiente. Insgesamt sind drei  &#8220;NRW-Filme&#8221; an der Croisette zu sehen: Fatih Akins deutsch-t\u00fcrkische  Koproduktion im Wettbewerb, Roy Anderssons (&#8220;Songs from the Second  Floor&#8221;) &#8220;You The Living&#8221; in der Reihe &#8220;Un Certain Regard&#8221; und Jan Bonnys  Deb\u00fctfilm &#8220;Gegen\u00fcber&#8221; bei den jugendlicheren &#8220;Quinzaine des  R\u00e9alisateurs&#8221;. wurde \u201eGegen\u00fcber&#8221; Ende letzten Jahres komplett in Essen  gedreht. Deutscher Produzent der burlesken Kom\u00f6die \u00fcber die  Unw\u00e4gbarkeiten des menschlichen Daseins ist die Thermidor  Filmproduktion\/K\u00f6ln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cannes. 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