{"id":4621,"date":"2019-06-16T20:11:12","date_gmt":"2019-06-16T20:11:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/?p=4621"},"modified":"2019-06-16T21:12:13","modified_gmt":"2019-06-16T20:12:13","slug":"verachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2019\/06\/16\/verachtung\/","title":{"rendered":"Verachtung"},"content":{"rendered":"<p>D\u00c3\u00a4nemark, BRD 2019 (Journal 64) Regie: Christoffer Boe, mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Fanny Leander Bornedal 119 Min. FSK ab 12<\/p>\n<p>Es ist etwas faul im Staate D\u00c3\u00a4nemark &#8211; hinter dem heilen Hygge-Image erzeugten protestantische Reinheits-Psychosen erschreckende Abgr\u00c3\u00bcnde, die zum aktuellen Rechtsextremismus leiten. Carl M\u00c3\u00b8rck (Nikolaj Lie Kaas) und sein Assistent Assad (Fares Fares) f\u00c3\u00bchren Ermittlungen in einem neuen alten Fall zu furchtbaren Gewalttaten an \u00e2\u20ac\u017eauff\u00c3\u00a4lligen\u00e2\u20ac\u0153 jungen Frauen.<\/p>\n<p>Dieses Stillleben hinter einer geheimen Kopenhagener Wohnungswand erinnert nicht nur an den Tod, es ist ein dreifacher, mumifizierter Tod, ein grausiges Kaffeekr\u00c3\u00a4nzchen. Stilisiert um einen Esstisch drapiert und mit Personalausweisen ausgestattet. Carl M\u00c3\u00b8rck, der stark gest\u00c3\u00b6rte Fachmann f\u00c3\u00bcr vergessene \u00e2\u20ac\u017eCold Cases\u00e2\u20ac\u0153, st\u00c3\u00bcrzt sich umso verbissener auf dieses R\u00c3\u00a4tsel, weil sein Partner f\u00c3\u00bcr die letzten drei F\u00c3\u00a4lle und Filme, Assad (Fares Fares), zum Abschied ein paar anh\u00c3\u00a4ngliche Worte h\u00c3\u00b6ren will. Aber ob sie nun Monk oder M\u00c3\u00b8rck hei\u00c3\u0178en, diese menschenfeindlichen Typen sind f\u00c3\u00bcr Gef\u00c3\u00bchlsregungen nicht zu haben.<\/p>\n<p>Vielleicht kommen die Verfilmungen (\u00e2\u20ac\u017eErbarmen\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eSch\u00c3\u00a4ndung\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eErl\u00c3\u00b6sung\u00e2\u20ac\u0153) der gleichnamigen Thriller von Jussi Adler-Olsen deshalb so heftig daher, damit sie auch einen extrem abgekapselten Carl M\u00c3\u00b8rck erreichen k\u00c3\u00b6nnten. Denn das was angeklagt wird, ist scheinbar schon nach 10 Minuten klar: Alle drei Leichen hatten zu Lebzeiten mit einer staatlichen sozialen Einrichtung auf der Ostsee-Insel namens Sprog\u00c3\u00b8 zu tun. Dort wurden in den 50er-Jahren moralisch auff\u00c3\u00a4llige oder ungewollt schwangere Frauen in ein unmenschliches System aus Unterdr\u00c3\u00bcckung, Vergewaltigung und Verrat gezwungen. Doch ein Stuhl blieb leer in der Leichenkammer und dieser Hinweis f\u00c3\u00bchrt M\u00c3\u00b8rck, Assad und ihre Assistentin Rose (Johanne Louise Schmidt) zu einem rassistischen Arzt, der statt heimlichen Abtreibungen bei \u00e2\u20ac\u017eunwerten\u00e2\u20ac\u0153 Frauen gegen deren Willen Sterilisationen durchf\u00c3\u00bchrt. Fr\u00c3\u00bcher f\u00c3\u00bcr den Staat und heute prominent f\u00c3\u00bcr eine Organisation, die den ganzen Staat unterwandert hat. Tats\u00c3\u00a4chlich wurden zwischen 1934 und 1967 mehr als 11.000 d\u00c3\u00a4nische Frauen zwangsweise sterilisiert.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eVerachtung\u00e2\u20ac\u0153 ist grausig, drastisch und brutal. Dabei wieder exzellent inszeniert, fotografiert und gespielt. Fl\u00c3\u00bcssig wechseln Erz\u00c3\u00a4hlebenen und Zeiten. Ob man, oder vor allem \u00e2\u20ac\u017efrau\u00e2\u20ac\u0153, derart drastische Darstellungen sehen will, bleibt fraglich. Doch auch die vierte Verfilmung eines Thrillers von Jussi Adler-Olsen gelang spannend und schockierend. Immerhin geht es im Gegensatz zu \u00c3\u00a4hnlich heftigen Schockern wie \u00e2\u20ac\u017eSeven\u00e2\u20ac\u0153 hier um reale und aktuelle gesellschaftliche Verwerfungen geht, nicht um einzelne Film-Psychopathen. Zu viele, zu laute Rechtsextreme und irrationale Fremdenfeindlichkeit gibt es auch im sehr reichen D\u00c3\u00a4nemark. \u00e2\u20ac\u017eSome Thing Rotten\u00e2\u20ac\u0153, etwas Faules, kommentiert das Plakat einer Ausstellung im Geiste \u00e2\u20ac\u017eHamlets\u00e2\u20ac\u0153.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00c3\u00a4nemark, BRD 2019 (Journal 64) Regie: Christoffer Boe, mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Fanny Leander Bornedal 119 Min. 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