{"id":4356,"date":"2018-10-17T06:53:34","date_gmt":"2018-10-17T06:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/?p=4356"},"modified":"2018-10-17T08:02:13","modified_gmt":"2018-10-17T07:02:13","slug":"der-vorname-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2018\/10\/17\/der-vorname-2018\/","title":{"rendered":"Der Vorname (2018)"},"content":{"rendered":"<p>BRD 2018 Regie: S\u00c3\u00b6nke Wortmann, mit Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters, Justus von Dohn\u00c3\u00a1nyi, Janina Uhse 91 Min. FSK ab 6<\/p>\n<p>S\u00c3\u00b6nke Wortmann hat einen guten Namen bei Publikum und den Produzenten. Die Zuschauer m\u00c3\u00b6gen ihn wegen seiner fr\u00c3\u00bchen Kom\u00c3\u00b6dien wie \u00e2\u20ac\u017eKleine Haie\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eDer bewegte Mann\u00e2\u20ac\u0153 (1994), danach kamen Renommierprojekte wie \u00e2\u20ac\u017eDas Wunder von Bern\u00e2\u20ac\u0153 (2003). Die Industrie sch\u00c3\u00a4tzt seine zuverl\u00c3\u00a4ssige Arbeitsweise. Dass Effektivit\u00c3\u00a4t ohne Inspiration auch den besten Ruf versauen kann, beweist dieses verungl\u00c3\u00bcckte Remake eines franz\u00c3\u00b6sischen Gesellschaftsabends. Wortmann findet f\u00c3\u00bcr die wortreichen Dialoge keine Filmsprache. Nur die Grundidee des Originals und einige Darsteller, namentlich Christoph Maria Herbst und Caroline Peters, machen den Abend unter Freunden ertr\u00c3\u00a4glich.<\/p>\n<p>Dass die Adilette mit dem Dritten Reich zu tun hat und jenseits aller Stilfragen hochpolitisch ist, das wussten bislang die wenigsten. So was kommt raus, wenn man den tats\u00c3\u00a4chlich heiklen Vornamen Adolf im Freundeskreis aufregt durchdekliniert. Der Grund ist die Ank\u00c3\u00bcndigung vom werdenden Vater Thomas (Florian David Fitz), sein Kind Adolf nennen zu wollen. Schon beim Aperitif kocht so der Abend bei Schwester Elisabeth (Caroline Peters) und Schwager Stephan (Christoph Maria Herbst) hoch: Letzterer, Germanistik-Dozent und prinzipien-steifer Bildungsb\u00c3\u00bcrger, verweist auf diesen Hitler und dass gerade in rechtslastigen Zeiten dieser Name tabu, wenn nicht gar verboten sei.<\/p>\n<p>Es geht Stefan (immer) wortreich ums Prinzip. Und dann unter der Oberfl\u00c3\u00a4che und in der zweiten H\u00c3\u00a4lfte des Films um nicht besonders tief verborgene Ressentiments. So l\u00c3\u00a4sst der Literaturprofessor im Cordanzug dauernd seine Bildung raush\u00c3\u00a4ngen und f\u00c3\u00bchrt den j\u00c3\u00bcngeren Thomas grob vor, der ja noch nicht mal Abitur habe. Daf\u00c3\u00bcr hat der erfolgreiche und recht ignorante Makler eine teure Drecksschleuder auf vier R\u00c3\u00a4ndern und auch sonst \u00c3\u00bcberfl\u00c3\u00bcssig viel Geld. Was Stephan neidisch macht. Zwischen den Fronten sitzt l\u00c3\u00a4chelnd Kindheitsfreund Ren\u00c3\u00a9 (Justus von Dohn\u00c3\u00a1nyi), ein herzensguter Kulturmensch, der keiner Fliege was zuleide tun kann. Hausherrin Elisabeth rennt von beschwichtigend zwischen Esszimmer und K\u00c3\u00bcche herum. Thomas\u00e2\u20ac\u2122 schwangere Freundin Anna (Janina Uhse) darf sp\u00c3\u00a4ter ein paar Stichworte geben.<\/p>\n<p>Es ist nur zeitweise ein aufbrausend spritziger und geistreicher Abend, den uns S\u00c3\u00b6nke Wortmann nach der deutschen Fassung des gleichnamigen B\u00c3\u00bchnenst\u00c3\u00bccks pr\u00c3\u00a4sentiert. Da hilft der gute Name vom franz\u00c3\u00b6sischen Theater- und Kino-Erfolg \u00e2\u20ac\u017eDer Vorname\u00e2\u20ac\u0153 ebenso wenig wie dessen Fortsetzung auf deutschen B\u00c3\u00bchnen. W\u00c3\u00a4hrend einige Dialoge und Themen noch schlagfertig interessieren k\u00c3\u00b6nnen, ist erschreckend, wie verloren die Regie agiert: Die Kamera wischt am Esstisch sinnlos an Hinterk\u00c3\u00b6pfen vorbei, gelangweilt fragt man sich, wie viele Bissen die Schauspieler wohl tats\u00c3\u00a4chlich in den Mund nehmen mussten. Der Raum bleibt trotz auff\u00c3\u00a4lliger Handkamera ein Filmset, auch die Figuren kommen nie zu einem Miteinander. Selbst wenn bei dem vielen Gerede &#8211; es war schlie\u00c3\u0178lich ein franz\u00c3\u00b6sischer Film &#8211; einzelne Momente \u00c3\u00bcberzeugen, es sind Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters und Justus von Dohn\u00c3\u00a1nyi, die hier punkten, nicht ihre Filmpersonagen. Symptomatisch ist der Schlusspunkt, eine Generalabrechnung von Ehe und Rollenverteilung durch die verhinderte Literaturwissenschaftlerin und Hausfrau Elisabeth. Eine gro\u00c3\u0178artige Solonummer der Theaterschauspielerin des Jahres Peters, ein Solit\u00c3\u00a4r sowohl in Handlung als auch im Personengef\u00c3\u00bcge.<\/p>\n<p>Dieses Misslingen von \u00e2\u20ac\u017eDer Vorname\u00e2\u20ac\u0153 ist vor allem schade, weil einige interessante Themen aufblitzen: Bef\u00c3\u00b6rdern die Intellektuellen mit der Tabuisierung des Namens Adolf und ihrer Erinnerungs-Kultur eigentlich einen Hitler-Kult? Macht Bildung bessere Menschen? Und &#8211; ganz banal &#8211; wieso \u00c3\u00bcbernehmen die Frauen den Gro\u00c3\u0178teil der Elternzeit? K\u00c3\u00b6nnte man dr\u00c3\u00bcber nachdenken. Doch nicht nach diesem Film, da muss man erst mal ausf\u00c3\u00bchrlich abl\u00c3\u00a4stern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BRD 2018 Regie: S\u00c3\u00b6nke Wortmann, mit Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters, Justus von Dohn\u00c3\u00a1nyi, Janina Uhse 91 Min. 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