{"id":4213,"date":"2018-02-15T08:31:14","date_gmt":"2018-02-15T07:31:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/?p=4213"},"modified":"2018-11-01T13:00:18","modified_gmt":"2018-11-01T12:00:18","slug":"isle-of-dogs-ataris-reise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2018\/02\/15\/isle-of-dogs-ataris-reise\/","title":{"rendered":"Isle of Dogs &#8211; Ataris Reise"},"content":{"rendered":"<p>USA, BRD 2018 Regie: Wes Anderson 100 Min.<\/p>\n<p>Wow! Was f\u00c3\u00bcr ein wunderbarer, ungew\u00c3\u00b6hnlicher, liebevoller und begeisternder &#8230; Hundefilm. Das neue Meisterwerk von Wes Anderson (\u00e2\u20ac\u017eMoonrise Kingdom\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eGrand Budapest Hotel\u00e2\u20ac\u0153) ist, wie schon \u00e2\u20ac\u017eDer fantastische Mr. Fox\u00e2\u20ac\u0153, ein Stop-Motion-Animationsfilm. Anderson ist wieder auf den Hund gekommen, auf so geniale Weise, dass man nur eines sagen kann: Wow!<\/p>\n<p>Dabei wird man erst einmal still angesichts der traurigen Geschichte, wie in naher Zukunft alle Hunde aus der Stadt Megasaki City auf eine M\u00c3\u00bcllinsel verbannt werden sollen. Zugegeben, was die Vierbeiner an Maul- und Klauen-Seuchen, L\u00c3\u00a4usen und Zecken mit sich tragen, ist wirklich nicht sch\u00c3\u00b6n. Ihr Niesen zwar witzig, die mysteri\u00c3\u00b6se Hundepest allerdings nicht. Die hasserf\u00c3\u00bcllten Reden des B\u00c3\u00bcrgermeisters Kobayashi, der f\u00c3\u00bcr seine Wiederwahl eine Randgruppe erzeugen und deportieren muss, erinnern dabei \u00c3\u00bcberdeutlich an all die rechten und populistischen Politiker, die sonst nichts zu sagen h\u00c3\u00a4tten.<\/p>\n<p>Ausgerechnet Spots, der Bodyguard-Hund von Atari Kobayashi, dem Pflegesohn des korrupten B\u00c3\u00bcrgermeisters, wird als erster zur M\u00c3\u00bcllinsel deportiert. Erst Jahre sp\u00c3\u00a4ter gelingt es dem mittlerweile 12-j\u00c3\u00a4hrigen Atari, sich nach abenteuerlicher Bruchlandung mit einem Metallteil im Kopf auf die Suche nach Spots zu machen. Adoptiert wird er von f\u00c3\u00bcnf Hunden, mit deren hartem \u00c3\u0153berleben auf der Insel wir schon vertraut gemacht wurden. Beziehungsweise: Es sind erst nur vier Flohtr\u00c3\u00a4ger, die in tierisch komischen demokratischen Prozessen entscheiden, dem ramponierten, aber typisch japanisch entschlossenen Kerlchen Atari zu helfen. Chief, der einzige origin\u00c3\u00a4re Streuner des Quintetts, wehrt sich dagegen, einem der Menschenrasse, die ihnen so viel Grausames angetan hat, zu helfen. Umso verst\u00c3\u00a4ndlicher, je weiter sich die kuriose Reise der seltsamen Truppe einer ehemaligen Tierversuchs-Anlage n\u00c3\u00a4hert&#8230;<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eIsle of Dogs\u00e2\u20ac\u0153 ist ein gro\u00c3\u0178er, schr\u00c3\u00a4ger Spa\u00c3\u0178. Dauernd \u00c3\u00bcberrascht Wes Anderson mit netten, absurden oder sch\u00c3\u00b6nen Einf\u00c3\u00a4llen. Bekanntes wird auf den Kopf gestellt, die obligatorische Sushi-Zubereitung bekommt einen Touch Monsterfilm in die Bento-Box gelegt. Bei den Narben und Verwundungen, die Hund und Mensch zeigen, kommt Anderson dem anderen gro\u00c3\u0178en Animateur f\u00c3\u00bcr Erwachsene, Tim Burton, sehr nahe. Diese Figuren haben durchweg Heftiges erlebt, auch wenn sie nicht in einer Tierversuchs-Anstalt leiden mussten. Was auf den ersten Blick zu kurioser Physiognomie und aberwitzigen Prothesen f\u00c3\u00bchrt, aber auch zu einer allgegenw\u00c3\u00a4rtigen Melancholie. Denn das Leben ist kein Hundeschleckerli.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eIsle of Dogs\u00e2\u20ac\u0153 ist pur Wes Anderson, dem man eigenartiges Sozialverhalten nachsagt: Symmetrisch flach aufgebauten Szenerien, in denen Animations-Puppen doch besser auf Regieanweisungen wie \u00e2\u20ac\u017eBei Fu\u00c3\u0178\u00e2\u20ac\u0153 reagieren, als schwierige Schauspieler, also Menschen. Selbst wenn diese so kongenial zu Andersons Stil passen wie Bill Murray oder Tilda Swinton. Eine Schatzkarte wie aus Kinderzeiten dient als Leitfaden der Handlung. Und alles wird getragen von netten Leitmelodien, einem traumhaften Rhythmusgef\u00c3\u00bchl auch in der Montage sowie super Songs f\u00c3\u00bcr die eigene Playlist.<\/p>\n<p>Diese Filmperle erweist der japanischen Kultur viel Respekt. Das mit dem \u00e2\u20ac\u017eWow\u00e2\u20ac\u0153 und dem Japanischen ist auch so eine herrlich schr\u00c3\u00a4ge und spa\u00c3\u0178ige tolle Sache in diesem Film: Denn wir verstehen die Hunde v\u00c3\u00b6llig problemlos. Nur die Hunde! Alles andere bleibt un\u00c3\u00bcbersetzt, wie eine der vielen netten Texteinblendungen erkl\u00c3\u00a4rt. Eigentlich. Denn Anderson l\u00c3\u00a4sst sich selbstverst\u00c3\u00a4ndlich wieder haufenweise nette Details einfallen, mit denen wir doch alle verstehen und mit denen gerade diese Sache mit dem \u00c3\u0153bersetzen mitunter herrlich auf den Arm genommen wird.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eIsle of Dogs\u00e2\u20ac\u0153 ist auf jeden Fall ein gro\u00c3\u0178es Vergn\u00c3\u00bcgen, dass nachhaltig fr\u00c3\u00b6hlich macht. Wobei es erstmals auch eine sehr deutliche Botschaft gibt: Die politischen Hassprediger, die traurigen Gestalten, die auf M\u00c3\u00bcllhalden nach Resten einer \u00c3\u0153berflussgesellschaft suchen und vor allem die furchtbaren Experimente mit Tieren. Das ist zu lange schon Gegenwart und keine Fiktion. Doch diese vielen gro\u00c3\u0178en Augen der Hunde mit ihrem herzzerrei\u00c3\u0178enden und umwerfend komischen Blick in die Kamera machen, dass man nachher, drau\u00c3\u0178en in der anderen Welt, nicht nur Hunde mit anderen Augen ansieht. Und das ist schon fast ein weltbewegender Effekt f\u00c3\u00bcr eine scheinbar nichtige Spielerei mit niedlichen und schr\u00c3\u00a4gen Animationsfiguren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>USA, BRD 2018 Regie: Wes Anderson 100 Min. Wow! Was f\u00c3\u00bcr ein wunderbarer, ungew\u00c3\u00b6hnlicher, liebevoller und begeisternder &#8230; Hundefilm. 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