{"id":4098,"date":"2018-02-05T21:24:29","date_gmt":"2018-02-05T20:24:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/?p=4098"},"modified":"2018-02-05T21:33:18","modified_gmt":"2018-02-05T20:33:18","slug":"freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2018\/02\/05\/freiheit\/","title":{"rendered":"Freiheit"},"content":{"rendered":"<p>BRD, Slowakei 2017 Regie: Jan Speckenbach mit Johanna Wokalek, Hans-Jochen Wagner, Inga Birkenfeld, Andrea Szabov\u00c3\u00a1, Ondrej Koval 100 Min.<\/p>\n<p>Das Beschauen von Bildern l\u00c3\u00b6st etwas aus &#8211; im besten Falle. So auch bei Nora (Johanna Wokalek), die nach der Ansicht von ein paar Caravaggios in Wien ziellos mit einem Bus bis zur Endstation f\u00c3\u00a4hrt, sich von einem Klein-Casanova abschleppen l\u00c3\u00a4sst und dann ganz altmodisch r\u00c3\u00bcber nach Bratislava trampt. Ihr unbestimmtes Ziel stellt sich langsam heraus: Nur weg!<\/p>\n<p>Freiheit steht in Gro\u00c3\u0178buchstaben auf der Leinwand. Doch so einfach ist es nicht mit ihr. Das reflektiert der au\u00c3\u0178ergew\u00c3\u00b6hnliche Film auf verschiedene Weisen, inhaltlich und formal: Am Anfang spiegelt die Seite des Busses, in dem Nora ziellos f\u00c3\u00a4hrt, die Au\u00c3\u0178enwelt nahezu ununterscheidbar. Und dann der gro\u00c3\u0178e Clou des Films, der sich nicht mit der Beobachtung eines f\u00c3\u00bcr sich banalen Ausbruchs zufrieden gibt. Noras Ehemann muss parallel pl\u00c3\u00b6tzlich Kinder und Karriere ausbalancieren. Sein aktueller Fall eines fremdenfeindlichen Schl\u00c3\u00a4gers erf\u00c3\u00a4hrt neue Dimensionen. W\u00c3\u00a4hrend der Anwalt mit sozialem Gewissen immer \u00c3\u00b6fter ausrastet, scheint Nora im ungebundenen Leben ganz bei sich zu sein.<\/p>\n<p>Nun ist \u00e2\u20ac\u017eFreiheit\u00e2\u20ac\u0153 kein Caravaggio, der zweite Spielfilm des Berliner Regisseurs Jan Spreckenbach nach \u00e2\u20ac\u017eDie Vermissten\u00e2\u20ac\u0153 bewegt aber durchaus etwas. Die schon im Titel angek\u00c3\u00bcndigte Freiheit wirkt zuerst wie Berliner Schule &#8211; viel erkl\u00c3\u00a4rt wird nicht, wir k\u00c3\u00b6nnen auch ganz bei Nora sein. Wohlgemerkt nicht bei ihren Emotionen eher bei den Abl\u00c3\u00a4ufen und Wegen. Die sie in eine Erotik-Bar f\u00c3\u00bchrt und dann &#8211; wie auf die andere Seite eines Spiegel &#8211; wieder an einen Familientisch. Nur in anderer Position.<\/p>\n<p>Doch die Strenge wird mehr und mehr aufgebrochen. Es wird spannend, als ihr Ehemann Philip in einer Talkshow wegen Noras Verschwinden und vermutlicher Verbrechen befragt wird. Als er mit seiner Kollegin schl\u00c3\u00a4ft, schwebt Noras Gesicht \u00c3\u00bcber ihm und es folgen noch weitere \u00c3\u0153berraschungen. Die zwei Seiten des R\u00c3\u00a4tsels um ein Verschwinden sind raffiniert konstruiert. So sehen wir den Anfang erst am Ende. Es sind die letzten Stunden in Job und Familie von Nora, bevor sie \u00e2\u20ac\u017eZigaretten holen geht\u00e2\u20ac\u0153 und nicht wiederkommt.<\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u017eBevor die Seelen der Verstorbenen wiedergeborenen werden, m\u00c3\u00bcssen sie aus dem Fluss Lethe trinken, um ihre Vergangenheit zu vergessen\u00e2\u20ac\u0153, lautet der den Film pr\u00c3\u00a4genden Satz im Vorspann. Und der Vorname verweist \u00c3\u00bcberdeutlich auf Ibsens \u00e2\u20ac\u017eNora\u00e2\u20ac\u0153, eine andere Frau, die den Ausbruch aus ihrem \u00e2\u20ac\u017ePuppenheim\u00e2\u20ac\u0153 versuchte. So was aus Deutschland zeigt man gerne auf Festivals, oft kommt es nicht beim Kino-Publikum an. Doch \u00e2\u20ac\u017eFreiheit\u00e2\u20ac\u0153 nimmt sich die Freiheit, leicht und mit Humor zu erz\u00c3\u00a4hlen. Eine packende Bildgestaltung hebt \u00e2\u20ac\u017eFreiheit\u00e2\u20ac\u0153 von gleich gerichteten Geschichten ab. Johanna Wokalek (\u00e2\u20ac\u017eDer Baader Mainhof Komplex\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eBarfuss\u00e2\u20ac\u0153) geh\u00c3\u00b6rt sowieso zu den Schauspielerinnen, denen man von der Terroristin bis zur P\u00c3\u00a4pstin alles abnimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BRD, Slowakei 2017 Regie: Jan Speckenbach mit Johanna Wokalek, Hans-Jochen Wagner, Inga Birkenfeld, Andrea Szabov\u00c3\u00a1, Ondrej Koval 100 Min. Das Beschauen von Bildern l\u00c3\u00b6st etwas aus &#8211; im besten Falle. 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