{"id":396,"date":"2007-02-16T10:40:27","date_gmt":"2007-02-16T09:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2007\/02\/16\/glanzende-leerpackung\/"},"modified":"2007-02-27T20:05:40","modified_gmt":"2007-02-27T19:05:40","slug":"glanzende-leerpackung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2007\/02\/16\/glanzende-leerpackung\/","title":{"rendered":"Gl\u00c3\u00a4nzende Leerpackung"},"content":{"rendered":"<p>Strahlende Entt\u00c3\u00a4uschung: Berlinale-Wettbewerb    Berlin. Das Bild war symptomatisch: Die Frau mit dem wei\u00c3\u0178en Kleid und dem ernsten Gesicht posierte Ewigkeiten in den affigsten Verrenkungen auf dem Roten Teppich. Der Film konnte warten, auf ihn auch mehr als Tausend Zuschauer. Hat Jennifer Lopez nun ein Anliegen oder einen neuen Job als Fotomodell? Engagierte Frau oder absurde Modepuppe? Eine Gesellschaftskrankheit hatte die 57. Berlinale im Griff: Nur schnelle Schlagzeilen, der Star im Blitzlicht z\u00c3\u00a4hlen und im besseren Falle wird auf diese Weise ein Anliegen transportiert. Stars gab es zahlreich, gute Filme dazu selten.   Nur gut gemeint war nicht nur &#8220;Bordertown&#8221;, in der Lopez als karrieregeile US-Journalistin die Morde an zahllosen mexikanischen Billiglohn-Frauen aufkl\u00c3\u00a4ren will. Die Verquickung von Ausbeutung, Unterdr\u00c3\u00bcckung und Vergewaltigung mit Freiem Welthandel, Globalisierung und Unterhaltung brachte den Opfern und Angeh\u00c3\u00b6rigen weltweite Aufmerksamkeit und Lopez einen &#8216;Artists For Amnesty&#8217;-Award.   Grausam gut gemeint Nur gut gemeint war auch der uns\u00c3\u00a4glich geschichtsklitternde &#8220;Goodbye Banfor&#8221;, in dem ein wei\u00c3\u0178er Wachmann mit seinem gro\u00c3\u0178en Herzen (Joseph, der untalentiere Fiennes) die Befreiung S\u00c3\u00bcdafrikas herbeigef\u00c3\u00bchrt hat. Eine Unversch\u00c3\u00a4mtheit von Bille August (&#8220;Fr\u00c3\u00a4ulein Smilla&#8221;, &#8220;Das Geisterhaus&#8221;), ausgerechnet am 11.Februar, dem 17. Jahrestag der Befreiung von Nelson Mandela. Die ehrenwerten Legenden Paolo und Vittorio Taviani lie\u00c3\u0178en die Grausamkeiten des t\u00c3\u00bcrkischen V\u00c3\u00b6lkermordes von 1915 auf der Leinwand aufleben. \u00c3\u0153ber eine Millionen Armenier, zwei Drittel der Bev\u00c3\u00b6lkerung, wurden massakriert, gek\u00c3\u00b6pft, gekreuzigt, vergewaltigt, in Schluchten gest\u00c3\u00bcrzt, auf t\u00c3\u00b6dliche Hungerm\u00c3\u00a4rsche gezwungen. &#8220;Das Haus der Lerchen&#8221; ist ein gut gemeinter, aber grausam schlecht gemachter Botschaftsfilm.   Positive \u00c3\u0153berraschungen gab es, wenn Themen mit eigentlich unpassenden Genre-Mitteln pr\u00c3\u00a4sentiert wurden: Der brillante &#8220;In memoria di me&#8221; von Saverio Constanzo (&#8220;Private&#8221;) zeigt einen jungen Mann, der M\u00c3\u00b6nch werden will. Die Tage und N\u00c3\u00a4chte unter dem Schweigegel\u00c3\u00bcbde sind innere Reflektion, aber in Bild und Ton so spannend wie ein Hitchcock. Petzolds &#8220;Yella&#8221; machte aus kalter Wirtschaftswirklichkeit ein Psycho-Puzzle. Britische Schauspielkunst verf\u00c3\u00bchrte mit Cate Blanchett und Judie Denche in &#8220;Notes on a scandal&#8221;, dem Drama einer frustrierten, \u00c3\u00bcberforderten Kunstlehrerin. Und die alte Rock-R\u00c3\u00b6hre Marianne Faithfull am\u00c3\u00bcsierte im Herzens-Favorit &#8220;Irina Palm&#8221; als freche Gro\u00c3\u0178mutter im Bordell.   Oft haben die Schauspieler wie Jennifer Lopez die Regie \u00c3\u00bcbernommen, &#8220;Bordertown&#8221;-Nebendarsteller Banderas verfilmte seine Jugend in Malaga, Steve Buscemi nach Vorlage des Niederl\u00c3\u00a4nders Theo Van Gogh so ein absurdes &#8220;Interview&#8221;, wie es hier in Berlin tausendfach ablief. Sarah Polley versuchte sich an einer Krankheitsgeschichte und Julie Delpy schoss mit ihren &#8220;2 Jours a Paris&#8221; umwerfend komisch den Vogel ab: Witziger und schneller als es Woody Allen je war, l\u00c3\u00a4sst sie ein franz\u00c3\u00b6sisch-amerikanisches P\u00c3\u00a4rchen Klischees der V\u00c3\u00b6lkermissverst\u00c3\u00a4ndigung durchleben.    Viel Drumherum W\u00c3\u00a4hrend der Kramladen Panorama die Spezialisten dieser Sektion entt\u00c3\u00a4uschte, erwies sich das mit &#8220;Generations&#8221; neu benannte Fest des Kinder- und Jungendfilms als dauernder Quell der Freude. Das &#8220;Forum&#8221; lieferte wie gewohnt Exzellentes abseits des Mainstreams am laufenden Band, etwa das deutsche Winterm\u00c3\u00a4rchen &#8220;Jagdhunde&#8221;. Doch passend zu einer extrem breit aufgestellten Berlinale, mit kulinarischem Kino, Ausstellungen und Installationen neben den obligatorischen Partys, Prommis und Premieren fand der H\u00c3\u00b6hepunkt des Festivals au\u00c3\u0178erhalb der Kinos statt. In der Deutschen Oper gab man des Kanadiers Guy Maddin modernen Stummfilm &#8220;Brand upon the brain&#8221;. Zwischen Frankenstein und Vampirismus fesselt die schr\u00c3\u00a4ge Fantasie mit dem live aufgef\u00c3\u00bchrten Soundtrack und der Erz\u00c3\u00a4hlerin Isabella Rosselini. Gro\u00c3\u0178es, bewegtes Kino wie vor hundert Jahren. 2007 herrschte eher Stillstand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strahlende Entt\u00c3\u00a4uschung: Berlinale-Wettbewerb Berlin. 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