{"id":2341,"date":"2013-01-07T00:00:04","date_gmt":"2013-01-06T22:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2013\/01\/07\/hannah-arendt\/"},"modified":"2013-01-07T00:00:04","modified_gmt":"2013-01-06T22:00:04","slug":"hannah-arendt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2013\/01\/07\/hannah-arendt\/","title":{"rendered":"Hannah Arendt"},"content":{"rendered":"<p>  BRD, Frankreich, Israel, Luxemburg 2012 Regie: Margarethe von Trotta mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Julia Jentsch, Ulrich Noethen, Klaus Dieter Pohl, Michael Degen 113 Min. FSK ab 6   Margarethe von Trottas filmische Rehabilitation der deutsch-amerikanischen Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) konzentriert sich auf Arendts Reportage vom Eichmann-Prozess im Jahr 1961 und die Folgen ihrer Artikelserie dazu, die unter dem Titel \u00e2\u20ac\u017eEichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalit\u00c3\u00a4t des B\u00c3\u00b6sen\u00e2\u20ac\u0153 als Buch ver\u00c3\u00b6ffentlich wurde. Verst\u00c3\u00a4ndlich, hat sie doch gepr\u00c3\u00a4gt, wie wir diese Szenen und den Menschen Eichmann sehen, hat mit ihrer Analyse den Typus des Schreibtischt\u00c3\u00a4ters als das moderne Gesicht des B\u00c3\u00b6sen herausgeleuchtet. Vorwissen ist hier &#8211; wie immer &#8211; vorteilhaft, aber nicht notwendig   Die Chefredaktion des New Yorkers hilft uns 1961 auf die Spr\u00c3\u00bcnge, was f\u00c3\u00bcr eine hoch verehrte Denkerin und Autorin Hannah Arendt (Barbara Sukowa) ist. Sie reist im April dieses Jahres nach Jerusalem, um f\u00c3\u00bcr das renommierte Magazin \u00c3\u00bcber den Prozess zu berichten. Eichmann, kurz zuvor vom israelischen Mossad in Argentinien gefangen genommen, war im Reichssicherheitshauptamt zust\u00c3\u00a4ndig f\u00c3\u00bcr die Organisation der europaweiten Deportation und somit mitverantwortlich f\u00c3\u00bcr den Mord an sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern. Die Originaldokumente aus dem Gerichtssaal, die auch schon in unterschiedlicher Form k\u00c3\u00bcnstlerisch bearbeitet wurden, bleiben bei von Trotta in Schwarzwei\u00c3\u0178. Das immer noch horrende \u00e2\u20ac\u017eIch habe nur Befehle ausgef\u00c3\u00bchrt\u00e2\u20ac\u0153 und das Entsetzen in Arendts Gesicht bei den Zeugenaussagen von \u00c3\u0153berlebenden, vermittelt eine Ahnung von der Wirkung dieses Ereignisses, das nicht nur ganz Israel gebannt verfolgte.   Arendts Versuch, Eichmann nicht nur als Monster zu verurteilen, sondern ihn und seine Funktion zu verstehen, sowie eine Randbemerkung \u00c3\u00bcber die vielleicht zu bereitwillige Mitarbeit der Judenr\u00c3\u00a4te an der Vernichtung, setzt sie heftigster Kritik aus. W\u00c3\u00a4hrend sich Freundinnen solidarisieren, verabschieden sich einige M\u00c3\u00a4nner aus dem Kreis der deutsch-j\u00c3\u00bcdischen Emigranten New Yorks. Gegen die Versuch der Uni-Leitung, die sie zum Schweigen bringen will, h\u00c3\u00a4lt Arendt vor jungen Stunden eine Verteidigungsrede zur ihrer Sicht auf die \u00e2\u20ac\u017eBanalit\u00c3\u00a4t des B\u00c3\u00b6sen\u00e2\u20ac\u0153. Wie in den R\u00c3\u00bcckblenden zu ihrer eigenen Studienzeit und der fatalen Aff\u00c3\u00a4re mit Martin Heidegger, sitzt wieder eine faszinierte junge Frau im Publikum &#8211; die Kontinuit\u00c3\u00a4t des freien und exakten Denkens darf erhofft werden.   So dankbar man Margarethe von Trotta sein muss, dass sie nach Rosa Luxemburg und Hildegard von Bingen (beide mit Sukowa) wieder ein wichtiges historisches Frauenportr\u00c3\u00a4t auf die Leinwand bringt, zeigt sie nur das Erwartete. \u00e2\u20ac\u017eHannah Arendt\u00e2\u20ac\u0153 ist kein Film, der sich k\u00c3\u00bcnstlerische Freiheiten erlaubt oder eine Ann\u00c3\u00a4herung versucht, die mehr als illustrierend und historisch stimmig anmutet. Als ideales Gegenbeispiel w\u00c3\u00a4re wieder Derek Jarmans Biografie \u00e2\u20ac\u017eWittgenstein\u00e2\u20ac\u0153 zu empfehlen, dessen auch sicherlich nicht unkomplexes Gedankengeb\u00c3\u00a4ude mit begeisternden filmischen Visionen umgesetzt wurde.   Neben den \u00e2\u20ac\u017eStandards\u00e2\u20ac\u0153 um den Eichmann-Prozess und dem nicht sehr ergiebigen Versuch, Arendts Beziehung zu Heidegger, der als philosophierender Hanswurst  und sp\u00c3\u00a4terer Nazi-Unterst\u00c3\u00bctzer nur ein paar S\u00c3\u00a4tze bekommt, zu ergr\u00c3\u00bcnden, wird die Philosophin vor allem als eine Frau mit Gef\u00c3\u00bchlen gezeigt. W\u00c3\u00a4hrend ihre universit\u00c3\u00a4ren Kritiker sie beispielsweise als \u00e2\u20ac\u017eHannah Eichmann\u00e2\u20ac\u0153 und als arrogant bezeichnen. Sie ist ein streitbarer, aber von vielen geliebter und von noch mehr gesch\u00c3\u00a4tzter Mensch. Barbara Sukowa (\u00e2\u20ac\u017eVision \u00e2\u20ac\u201c Aus dem Leben der Hildegard von Bingen\u00e2\u20ac\u0153) \u00c3\u00bcberzeugt in der Hauptrolle nicht unbedingt, nie kann sich die Figur Arendt vom bekannten Gesicht der Schauspielerin l\u00c3\u00b6sen. Bemerkenswert in den Nebenrollen sind vor allem Axel Milberg als ihr Ehemann Heinrich Bl\u00c3\u00bccher und als Hannah Arendts Sekret\u00c3\u00a4rin Lotte K\u00c3\u00b6hler die \u00e2\u20ac\u017eSophie Scholl\u00e2\u20ac\u0153 Julia Jentsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BRD, Frankreich, Israel, Luxemburg 2012 Regie: Margarethe von Trotta mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Julia Jentsch, Ulrich Noethen, Klaus Dieter Pohl, Michael Degen 113 Min. 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