{"id":215,"date":"2006-08-13T10:50:37","date_gmt":"2006-08-13T09:50:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2006\/08\/13\/retrospektive-locarno\/"},"modified":"2006-08-13T10:50:37","modified_gmt":"2006-08-13T09:50:37","slug":"retrospektive-locarno","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2006\/08\/13\/retrospektive-locarno\/","title":{"rendered":"Retrospektive Locarno"},"content":{"rendered":"<p>  <title>Der Lakomiker &#8211; Kaurism&auml;ki-Retrospektive Locarno<\/title>   <font FACE=\"Verdana, Helvetica, Arial\"><br \/> Locarno. Er ist der Meister der Reduktion, adelt die Arbeiterklasse mit dem Stil klassischer Melodrame und macht immer seinen letzten Film: Aki Kaurism&auml;ki wurde vom 59. Internationale Filmfestival Locarnos (2.-12.8.2006) mit einer kompletten filmhistorischen Retrospektive geehrt. Dank &uuml;berraschender Mitarbeit des sonst so spr&ouml;den Finnen wurde die Programmschiene zum sensationellen Publikumserfolg.<br \/> &nbsp;<br \/> Wer meint, in weniger als 60 Minuten ist bei einem Film alles gesagt, muss sich vielleicht auch eine Retrospektive im zarten Alter von 50 Jahren und 16 Spielfilmen gefallen lassen. Kaurism&auml;ki ist im Reigen der ausgezeichneten Retrospektiven von Locarno ein Junger und gleichzeitig ein Relikt. Der Ver&auml;chter von Fernsehen und amerikanischer Unkultur dreht nur auf 35mm-Film, niemals auf Video. Seine Filme stecken voller Zitate alter Meister und kaum ein Mensch hat noch das filmhistorische Wissen, diese Ebene zu verstehen. Selbst seinen Biographen Peter von Bagh erwischt er mit Fragen wie &quot;Wer hat das eigentlich gesagt und in welchem Zusammenhang?&quot; auf dem falschen Fu&szlig;.<br \/> &nbsp;<br \/> Bei der Vorstellung eines von &quot;Cahier de Cinemas&quot; zur Retrospektive nur in Franz&ouml;sisch herausgebrachten Bandes lieferte Kaurism&auml;ki trockene aber auch bissiger One-Liner am laufenden Band. Die &uuml;bliche Weigerung auf &#8211; oft tats&auml;chlich erschreckend dumme &#8211; Fragen zu antworten, hat er zuhause gelassen. Dabei ist, wie in seinen Filmen der Humor so trocken, dass man direkt glaubt, Laokoon war ein Finne. Mitgebracht hatte Kaurism&auml;ki au&szlig;er seinen Langspielfilmen, auch seine Musikvideos von den &quot;Leningrad Cowboys&quot; und anderen finnischen Bands sowie seine Schauspielerinnen Kati Outinen und Margi Clark, die ausf&uuml;hrlich erz&auml;hlten. Zur Premieren-Party am Lido Locarnos unter passend kitschigem Vollmond spielte stilecht eine finnische Tango-Band. <br \/> &nbsp;<br \/> Mit der sehr freien Dostojewski-Verfilmung &quot;Crime and Punishment&quot; legte Aki Kaurism&auml;ki 1983 direkt ein erstaunliches Deb&uuml;t vor. Er wird auch noch Hamlet und &quot;Das Leben der Boheme&quot; seinen Stempel aufdr&uuml;cken. Doch erst in sp&auml;teren Werken, die er alle auch selbst produzierte, schrieb und schnitt, tauchten seine charakteristischen Eigenschaften auf der Leinwand auf: Extrem wortkarge Figuren, Verlierer der Arbeiterklasse meist, deren Niedergang manchmal auch von einem Happy End aufgefangen wird, aber deren Tragik nie ohne solidarischen Humor bleibt. Kaurism&auml;ki ist ein Meister der &Ouml;konomie. Meist nimmt er seine Schauspieler schon w&auml;hrend der Probe auf. Das Meisterwerk &quot;Das M&auml;dchen aus der Streichholzfabrik&quot; war 69 Minuten kurz, f&uuml;r das deutsche Fernsehen schummelte er ein paar Minuten hinzu. Hier zeigt sich auch der Produzent Kaurism&auml;ki, der mit seinem Bruder Mika &#8211; ein mediokrer Filmemacher &#8211; nicht nur eigene Filme finanziert.<br \/> &nbsp;<br \/> Wieder das Gleiche &#8211; war in Cannes oft zu h&ouml;ren, als im Mai nach vier Jahren ein neuer Kaurism&auml;ki im Wettbewerb lief. &quot;Lights in the Dusk&quot; ist nach &quot;Wolken ziehen vor&uuml;ber&quot; (1996) und &quot;Der Mann ohne Vergangenheit&quot; (2002) der abschlie&szlig;ende Film seiner Verlierer-Trilogie. Wie sehr sich der Finne in Motiven und Stilideen treu blieb und wie verschieden er doch in seinen 23 Jahren Filmschaffen war, zeigte die komplette Kaurism&auml;ki-Retrospektive Locarnos auf. Ihr gr&ouml;&szlig;ter Gewinn liegt allerdings in einer &quot;Carte Blanche&quot; f&uuml;r den Regisseur, der sich Filme aussuchen durfte, die ihn beeinflusst haben.<br \/> &nbsp;<br \/> Zum Kinostart von &quot;Lights in the Dusk&quot; im Herbst erscheint am 30.August auch ein deutscher Band, der unter dem Titel &quot;Aki Kaurism&auml;ki&quot; Essays, Interviews und Filmtexte versammelt (Beltz + Fischer, 220 Seiten, 19,90 Euro).<\/p>\n<p> <\/font>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Lakomiker &#8211; Kaurism&auml;ki-Retrospektive Locarno Locarno. Er ist der Meister der Reduktion, adelt die Arbeiterklasse mit dem Stil klassischer Melodrame und macht immer seinen letzten Film: Aki Kaurism&auml;ki wurde vom 59. Internationale Filmfestival Locarnos (2.-12.8.2006) mit einer kompletten filmhistorischen Retrospektive geehrt. Dank &uuml;berraschender Mitarbeit des sonst so spr&ouml;den Finnen wurde die Programmschiene zum sensationellen Publikumserfolg. 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