{"id":214,"date":"2006-08-13T10:50:31","date_gmt":"2006-08-13T09:50:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2006\/08\/13\/deutsche-filme-erneut-in-locarno-erfolgreich\/"},"modified":"2006-08-13T10:50:31","modified_gmt":"2006-08-13T09:50:31","slug":"deutsche-filme-erneut-in-locarno-erfolgreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2006\/08\/13\/deutsche-filme-erneut-in-locarno-erfolgreich\/","title":{"rendered":"Deutsche Filme erneut in Locarno erfolgreich"},"content":{"rendered":"<p>  <title>Deutsche Filme erneut in Locarno erfolgreich<\/title>   <font FACE=\"Verdana, Helvetica, Arial\">Zusammenbruch des Direktors Maire auf Piazza-B&uuml;hne<br \/> &nbsp;<br \/> Locarno. Dramatisch endete das 59. Internationale Filmfestival von Locarno am Samstag nach zehn Tagen mit 170 Filmen: Am vorletzten Abend brach der K&uuml;nstlerische Direktor Fr&eacute;d&eacute;ric Maire auf der B&uuml;hne der Piazza Grande zusammen und sein Kreislauf erholte sich auch bis zur Preisverleihung nicht. Den Goldenen Leoparden erhielt ausgerechnet &quot;Das Fr&auml;ulein&quot; von Andrea Slaka, eine ausgezeichnete Koproduktion (Schweiz\/Deutschland), die zum aufsehenerregenden R&uuml;cktritt des Jurymitglieds Barbara Albert und zu viel Kritik an Maire f&uuml;hrte.<br \/> &nbsp;<br \/> Das renommierte Festival von Locarno erwies sich erneut als Sommerfrische f&uuml;r den deutschen Film. W&auml;hrend des Kino-Sommerloches konnten f&uuml;nf Filme mit deutscher Beteiligung Hauptpreise absahnen. Fern von jedem Patriotismus ist dieser fast allj&auml;hrlich wiederkehrende Goldregen bemerkenswert.<br \/> &nbsp;<br \/> Der Siegerfilm &quot;Das Fr&auml;ulein&quot; bringt drei Frauen jugoslawischer Herkunft in einer Z&uuml;richer Kantine zusammen. Die junge Ana kommt gerade aus Sarajewo und st&uuml;rzt sich exzessiv ins Leben, w&auml;hrend die 50-j&auml;hrige Kantinenbesitzerin Ruza jeden Rappen wie auch jede Regung fest verschlie&szlig;t. Wie diese stimmigen Figuren mit ihren eigenen Schmerzen aufeinander reagieren, hat die 33-j&auml;hrige Andrea Staka in einer psychologisch dichten und &auml;sthetisch fesselnden Weise inszeniert. Staka wurde in der Schweiz geboren, ihre Familie stammt aus Jugoslawien. Der Hauptpreis ist mit 90.000 Schweizer Franken (60.000 &#8364;) dotiert. Auch bei mehreren Nebenjuries erhielt &quot;Das Fr&auml;ulein&quot; den ersten Preis.<br \/> &nbsp;<br \/> Zuvor sorgte der Film bereit f&uuml;r gro&szlig;e Aufregung, denn das &ouml;sterreichische Jurymitglied Barbara Albert (&quot;Nordrand&quot;) musste die Jury ungeschickt sp&auml;t verlassen, weil sie f&uuml;r alle bis auf Festivalleitung offensichtlich am Drehbuch mitgearbeitet hatte. Ob die Kritik daran zusammen mit kleinlichen Z&auml;nkereien der Schweizer Sprachgruppen zum Zusammenbruch des deb&uuml;tierenden Direktors Maire f&uuml;hrte, bleibt vorerst Spekulation. Er wollte einiges &auml;ndern, etwa den Film der Politik vorziehen. Doch ironischerweise erwies sich erneut, dass Politisches bis in Private hinein reicht und so reichlich Stoff f&uuml;r bewegende, engagierte Filme liefert. So lief &quot;Carlas List&quot;, die hautnahe Dokumentation &uuml;ber die schillernde Jugoslawien-Chefankl&auml;gerin Carla del Ponto, auf der Piazza und zum Abschluss musizierte &quot;Das Orchester der Piazza Vittorio&quot;, ein r&ouml;misches Multikulti-Projekt zur Integration von Emigranten. Filme, die Maire Vorg&auml;ngerin Irene Bignardi sicher auch gezeigt h&auml;tte.<br \/> &nbsp;<br \/> Das Publikum der Piazza Grande, des magischen Open Air-Kinos f&uuml;r allabendlich 7000 Zuschauer, w&auml;hlte &quot;Das Leben der Anderen&quot; zu ihrem Favoriten. Die exzellente Demaskierung von Stasi-Mentalit&auml;t erlebte mit reichlich Versp&auml;tung ihre internationale Premiere. &quot;Der Mann von der Botschaft&quot; von Dito Tsintsadze erhielt den Darstellerpreis. Genauer: Burghart Klaussner (&quot;Die fetten Jahre sind vorbei&quot;, &quot;Requiem&quot;) ist der einsame, verschlossene Mann von der (deutschen) Botschaft im georgischen Tiflis, der sich mit seltsamer Naivit&auml;t eines Stra&szlig;enkindes annimmt. Die ruhige Psychostudie wurde von Tatfilm in K&ouml;ln produziert und von der Filmstiftung NRW gef&ouml;rdert. Ebenfalls aus K&ouml;ln, ebenfalls NRW-gef&ouml;rdert, Stefan Westerwelles Abschlussfilm der KfM &quot;Solange du hier bist&quot;, eine noch intimere, intensivere Studie eines alten Schwulen, der einem jungen Callboy hinterher tr&auml;umt. Daf&uuml;r gab es in der Kategorie des Besten Erstlingsfilms eine Besondere Erw&auml;hnung.<br \/> &nbsp;<br \/> Den Goldenen Leoparden im neuen Wettbewerb der Sektion &quot;Cineastes de Present&quot; eroberte das SM-Drama &quot;Verfolgt&quot; von Angelina Maccarone, in dem Maren Kroymann eine resolute Bew&auml;hrungshelferin spielt, die sich von einem Sch&uuml;tzling zu sadomasochistischen Seitenspr&uuml;ngen verf&uuml;hren l&auml;sst. Knapp daneben ging der Preis f&uuml;r die Beste Darstellerin, denn Amber Tamblyn spielte eine 16-j&auml;hrige Schwangere recht ausdruckslos, w&auml;hrend ihre Filmpartnerin Tilda Swinton gleichzeitig die Konflikte einer Gerichts-Psychologin, einer psychisch labilen Schwangeren und einer eifers&uuml;chtigen Ehefrau eindrucksvoll verk&ouml;rperte.<br \/> &nbsp;<br \/> Die &uuml;bertriebene Suche nach Weltpremieren bescherte Locarno 2006 einen merklich schw&auml;cheren Wettbewerb. Kleine Kurskorrekturen in den Programmsektionen im ersten Jahr des neuen Direktors Fr&eacute;d&eacute;ric Maire lie&szlig;en den ebenso politisch wie &auml;sthetisch interessierten Charakter des Schweizer A-Festivals unber&uuml;hrt. Qualit&auml;ten eines neuen Leiters k&ouml;nnen sich erst nach mehr als einem Jahr zeigen. 2007 wird dann auch noch die 60. Auflage von Locarno gefeiert.<\/p>\n<p> <\/font>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Filme erneut in Locarno erfolgreich Zusammenbruch des Direktors Maire auf Piazza-B&uuml;hne &nbsp; Locarno. Dramatisch endete das 59. 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