{"id":1597,"date":"2011-02-16T10:30:06","date_gmt":"2011-02-16T08:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2011\/02\/16\/127-hours\/"},"modified":"2011-04-13T18:00:39","modified_gmt":"2011-04-13T17:00:39","slug":"127-hours","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2011\/02\/16\/127-hours\/","title":{"rendered":"127 Hours"},"content":{"rendered":"<p>USA, Gro\u00c3\u0178britannien 2010 (127 Hours) Regie: Danny Boyle mit James Franco, Amber Tamblyn, Kate Mara 93 Min. FSK ab 12<\/p>\n<p>Lernen Sie Aron Ralston (James Franco) kennen, einen verr\u00c3\u00bcckten Kerl, voll auf Adrenalin. Und der Film pumpt direkt eine satte Ladung davon in unsere Adern. Im rasenden Splitscreen geht es raus aus der \u00c3\u00bcberv\u00c3\u00b6lkerten Stadt. Irgendwo im Naturcamp ein paar Stunden Schlaf auf der Pritsche des SUV, dann mit dem Rad rein in den Canyonlands National Park. Aron ist ein Extrembiker, der sich von einem Sturz nicht aus der Bahn bringen l\u00c3\u00a4sst, dar\u00c3\u00bcber lacht. Ein Bergwanderer, der gerne auf einsamer Wolf macht.<\/p>\n<p>Hier ist \u00e2\u20ac\u017e127 Hours&#8221; l\u00c3\u00a4ngst ein berauschender Film: Unglaubliche Landschaften. Farben, die Danny Boyle schon in \u00e2\u20ac\u017eSlumdog Million\u00c3\u00a4r&#8221; wie einen Rausch auf die Leinwand brachte. Wer die wahre Geschichte von Aron Ralston kennt, die reichlich durch die Medien ging und unter dem Titel \u00e2\u20ac\u017eBetween a Rock and a Hard Place&#8221; ver\u00c3\u00b6ffentlicht wurde, wei\u00c3\u0178 was bald passiert und versteht die Andeutungen. Ein Schweizer Messer bleibt in Arons Wohnung liegen. Ein Wasserhahn l\u00c3\u00a4sst sein wertvolles Gut unbeachtet tropfen. Es sind &#8211; auch wenn \u00e2\u20ac\u017e127 Hours&#8221; fast nichts mit dem Genre zu tun hat &#8211; die Tricks der Horrorfilme: Da streift die Hand selbstvergessen den Felsen. Klar, Aron Ralston ist ein angstfreier Kerl, der es liebt, die Natur zu erfahren (mit dem Bike), zu erleben und zu f\u00c3\u00bchlen (mit seinen H\u00c3\u00a4nden)! Pl\u00c3\u00b6tzlich rutscht er ab, ein Felsbrocken st\u00c3\u00bcrzt mit ihm in eine Bodenspalte und klemmt seinen Unterarm ein. Der Filmtitel \u00e2\u20ac\u017e127 Hours&#8221; steht erst jetzt auf der Leinwand, das unglaubliche Drama beginnt.<\/p>\n<p>Aron Ralston steckt in der Klemme, in einer tiefen und sehr abgelegenen Felsspalte im Niemandsland. Als kluger Survival-Typ<\/p>\n<p>breitet er alles vor sich aus, was er dabei hat. Was k\u00c3\u00b6nnte ihn retten? Und wieviel Wasser ist in der nur einen Trinkflasche? Er stoppt die Zeit, die er braucht, um mit dem Billig-Werkzeug vom Baumarkt ein paar Schrammen in den Fels zu kratzen. Denn keiner wei\u00c3\u0178, wo er hinging &#8211; Aron war schon immer konsequenter Einzelg\u00c3\u00a4nger &#8211; die Schattenseiten dieser Eigenschaft werden ihm jetzt klar.<\/p>\n<p>James Franco, der Allen Ginsberg aus \u00e2\u20ac\u017eHowl&#8221;, der auch letztes Wochenende mit \u00e2\u20ac\u017eThe dangerous book for boys&#8221; als Autor in Erscheinung trat, h\u00c3\u00a4lt mit seinem gro\u00c3\u0178artigen schauspielerischen K\u00c3\u00b6nnen diese beklemmende Solo-Nummer extrem spannend. Das Erstaunen im Blick auf die eingequetschte Hand nach dem Sturz, die Verzweiflung in den Handlungen &#8211; gro\u00c3\u0178artig und oscar-reif!<\/p>\n<p>Danny Boyle (\u00e2\u20ac\u017eTrainspotting&#8221;) gelingt es, aus dem an einem Ort festgelegten Open Air-Kammerspiel ein packendes Drama zu machen. Das Lichtspiel der Sonne in der gerade mal mannsbreiten Schlucht ist ein gro\u00c3\u0178es Schauspiel und w\u00c3\u00a4rmt Aron f\u00c3\u00bcr ein paar Minuten. Und die wortw\u00c3\u00b6rtliche Zwangslage ist sogar komisch: Der dritte Tag der 127 Stunden Beklemmung beginnt auf der Tonspur un\u00c3\u00bcbertrefflich zynisch mit dem Song \u00e2\u20ac\u017eLovely Day&#8221;, wobei die Anstrengungen alles andere als lieblich sind. Die Sehnsucht des Verdurstenden nach Fl\u00c3\u00bcssigkeit beantwortet der Schnitt mit sprudelnder Werbung. Aber es gibt auch R\u00c3\u00bcckblenden ins bisherige Leben Arons, sowie mit fortschreitender Ersch\u00c3\u00b6pfung auch immer mehr wahnsinnige Visionen. Bis hin zum Wiedersehen mit seiner ganzen Familie &#8211; auf einem Sofa sitzend in der Schlucht.<\/p>\n<p>Etwas unappetitlich wird es erst in der letzten Viertelstunde. Wobei &#8211; ganz nebenbei &#8211; dieser Film ein Antipode zu den ganzen Sadistereien der Horror-Reihe \u00e2\u20ac\u017eSaw&#8221; darstellt: Hier f\u00c3\u00bchlt man, was es bedeutet, sich selbst ein K\u00c3\u00b6rperteil abzutrennen. Hier durchlebt man eine existenzielle Abw\u00c3\u00a4gung und eine unfassbare Entscheidung f\u00c3\u00bcr das Leben. Aron Ralston machte den Felsen zum Stolperstein seines Lebens, oder zum Scheideweg, um eine noch unpassendere Metapher einzuwerfen. Bis zuletzt bleibt er ein cooler Hund, der noch ein Foto von dem im Canyon zur\u00c3\u00bcckbleibenden Arm macht. (Kinder, bitte nicht zuhause nachmachen.) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>USA, Gro\u00c3\u0178britannien 2010 (127 Hours) Regie: Danny Boyle mit James Franco, Amber Tamblyn, Kate Mara 93 Min. FSK ab 12 Lernen Sie Aron Ralston (James Franco) kennen, einen verr\u00c3\u00bcckten Kerl, voll auf Adrenalin. Und der Film pumpt direkt eine satte Ladung davon in unsere Adern. Im rasenden Splitscreen geht es raus aus der \u00c3\u00bcberv\u00c3\u00b6lkerten Stadt. 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