{"id":139,"date":"2006-05-12T00:30:38","date_gmt":"2006-05-11T23:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2006\/05\/12\/iberia\/"},"modified":"2006-05-12T00:30:38","modified_gmt":"2006-05-11T23:30:38","slug":"iberia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2006\/05\/12\/iberia\/","title":{"rendered":"Iberia"},"content":{"rendered":"<p>  <title>Iberia<\/title>   <font FACE=\"Verdana, Helvetica, Arial\"><br \/> Meisterlich! Mit &quot;Iberia&quot; zeigt sich Carlos Saura auf dem H&ouml;hepunkt seiner Kunst. Die Betonung liegt auf &quot;seiner&quot;, denn niemand zeigt Tanz so atemberaubend bewegt in sich immer wieder ver&auml;ndernden R&auml;umen. So erleben wir Meister des Flamenco kongenial in Bewegung und Szene gesetzt vom spanischen Meister des Tanzfilms.<br \/> &nbsp;<br \/> Der &uuml;ber 70 Jahre alte Saura (geb. 4. Januar 1932 in Huesca, Aragon) war schon immer fasziniert vom Flamenco. &quot;Bodas De Sangre&quot; (1981), &quot;Carmen&quot; (1983), &quot;El Amor Brujo&quot; (1985), Sevillanas (1991) und vor allem der &quot;Iberia&quot; &auml;hnelnde &quot;Flamenco&quot; (1995) leben von dieser Musik. &quot;Iberia&quot; nun ist eine Reise durch Klanglandschaften Spaniens. Leitfaden und titelgebend f&uuml;r den Film sind Kompositionen des spanischen Pianisten und Komponisten Isaac Alb&eacute;niz (1860-1909), einer Leitfigur in der Hervorbringung eines nationalen Stils in der Musik Spaniens. Zu seiner Musik, die er f&uuml;r Klavier geschrieben hat, z&auml;hlen die vier Teile der Suite &#8222;Iberia&quot;.<br \/> &nbsp;<br \/> Die Vereinigung von klassischem Ballet, zeitgen&ouml;ssischem spanischen Tanz und vielen Flamenco-Variationen ist einerseits Dokumentation, dann wieder h&ouml;chst artifizielles Kunstwerk. Gleich zu Anfang eine der komplexesten der zahlreichen Szenen: Das Klavierspiel, die T&auml;nzer, das Aufnahmeteam, Projektionen auf Vorh&auml;nge &#8211; alles f&uuml;gt sich vermittels Fahrten, Schwenken, dem Kran und bewegten Spiegeln harmonisch in ein Bild, eine Sequenz. Es sind &quot;mise en scene&quot;-Meisterst&uuml;cke und gleichzeitig bet&ouml;rende Leinwand-Gem&auml;lde.<br \/> &nbsp;<br \/> Saura sagte zur Inszenierung von Tanz f&uuml;r den Film: &quot;Beide Elemente h&auml;ngen intrinsisch zusammen. Die Idee einer &#8218;lebenden&#8217; Szenerie, einem Raum, der unter Verwendung von Trennw&auml;nden sein Volumen ver&auml;ndert, der sich dem Moment, dem Tanz und den beteiligten Musikern anpasst, hat ihren Ursprung in meiner Einstellung, dass jedes &#8222;atrezzo&quot; oder jede Requisite die Aufmerksamkeit vom Kern der Darbietung, dem K&uuml;nstler, abzieht. Das Hauptproblem bei der Adaption von Tanz f&uuml;r das Kino ist, dass es hier unm&ouml;glich ist, zwei Aktionen zur selben Zeit zu &#8218;sehen&#8217;. Ganz anders beim Theater, bei dem es leicht ist, von einer Stelle, an der gerade eine Aktion stattfindet, auf eine andere &uuml;berzugehen und dennoch zwei vermeintlich &#8218;gleichzeitige&#8217; Momente wahrzunehmen. Das Auge ist die beste Kinokamera, die je erfunden wurde. &nbsp;In der cinematografischen Realit&auml;t ist es nicht m&ouml;glich, so frei zwischen zwei Orten zu wechseln. Hier muss man eine Wahl treffen, und dies resultiert immer in einer der schmerzvollsten Entscheidungen: Welches szenische Fragment bleibt im Kasten und welches soll auf der Leinwand bleiben? Aber es er&ouml;ffnet sich eine neue Welt durch die Videoprojektionen auf den Trennw&auml;nden.&quot;<br \/> &nbsp;<br \/> Dieses &quot;mise en scene&quot; verwandte Saura auch in seiner fiktiven Filmbiographie &quot;Goya in Bordeaux&quot; (1999). Doch hier scheint er ganz in seinem Element: &quot;Wieder einmal stehe ich der magischen Kombination von Musik und Kamera gegen&uuml;ber, die mich so fasziniert und die ihren Zenith beim Musical erreicht. Obwohl diese filmische Form auch auf anderer Weise umgesetzt werden kann, so bevorzuge ich doch diese reine Form, die frei ist von k&uuml;nstlichen narrativen Aspekten.&quot;<br \/> &nbsp;<br \/> &quot;Iberia&quot; zeigt erstklassige T&auml;nzer und Choreographen wie Sara Baras, Antonio Canales, Jos&eacute; Antonio, Aida G&oacute;mez und Patrick De Bana. Unter den Musikern befinden sich Gr&ouml;&szlig;en wie die Gitarristen Manolo Sanl&uacute;car, Gerardo N&uacute;&ntilde;ez und Jos&eacute; Antonio Rodr&iacute;guez, die Pianisten Rosa Torres Pardo und Chano Dom&iacute;nguez, der Flamenco-Jazz-Star Jorge Pardo sowie der gro&szlig;artige S&auml;nger Enrique Morente und seine au&szlig;ergew&ouml;hnliche Tochter Estrella Morente. Die Abfolge von Einzelszenen bleibt spannend, auch weil Saura immer wieder kleine Prologe einflicht, in dem die T&auml;nzer sich kurz vorbereiten, tief durchatmen, Spannung im K&ouml;rper aufbauen. Immer wieder l&ouml;sen die losen Szenen G&auml;nsehaut, R&uuml;hrung und Bewegungslust aus. &quot;Iberia&quot; geht ins Blut, in die F&uuml;&szlig;e, die H&auml;nde. Das so eigent&uuml;mliche Klatschen des Flamenco geht &uuml;ber in den Beifall des Herzens.<br \/> &nbsp;<br \/> Auch wenn Ibera hochgradig stilisiert wirkt, erfordert Flamenco wie der Jazz eine besondere Aufnahmetechnik: &quot;Flamenco-T&auml;nzer wissen nicht genau, warum ihr Tanz sich pl&ouml;tzlich gut und richtig anf&uuml;hlt und sie 10 Minuten sp&auml;ter nicht mehr diesen Punkt erreichen k&ouml;nnen. Es gibt keine Regeln f&uuml;r ihre Kunst, sie kann nicht standardisiert werden. Deshalb ist es in diesen F&auml;llen unsere Pflicht, immer ohne Verz&ouml;gerung zu reagieren, sobald die Magie erscheint. Es ist mein Job, daf&uuml;r zu sorgen, dass die Kamera nicht blo&szlig; illustriert, was vor ihr geschieht, sondern mein Auge, meine Sichtweise, meine Wahrnehmung davon ist, wie Tanz gesehen werden sollte.&quot; (Saura)<br \/> &nbsp;<br \/> Die Spannweite der musikalischen Stimmungen, Stile wie auch der inszenatorischen Varianten ist enorm: Mit dem Namen Cordobas, der ehemalige Stadt der drei Weltreligionen, ist eine fast graphische Episode betitelt: Schwarze arabische Schleier begegnen wei&szlig;en Nonnengew&auml;ndern, Schattenrisse und unendlich blauer Himmel bei drohend tiefem Bass. In &quot;Almeria&quot; ein jugendlicher Hahnenkampf, Gangs beeindrucken sich mit Flamenco, der in einem kleinen Drama Liebe, Eifersucht und Konkurrenz mit Michael Jackson-Einlagen und Break Dance verk&ouml;rpert. Dann zu &quot;El Albaicin&quot; ganz moderner Tanz, das erschreckend faszinierende Solo-Duett einer Frau (Marta Carrasco) mit Plastikfolien. Ein stiller Kampf mit lautlos lauten Schreien. Selbstverst&auml;ndlich auch einige der Varianten des g&auml;ngigen und bei uns doch weitgehend unbekannten Flamenco: Gitarre, Gesang, Tanz, Explosionen purer Leidenschaft.<br \/> &nbsp;<br \/> Obwohl der Film f&uuml;r nicht mal drei Millionen Euro g&auml;nzlich im Studio gedreht wurde, zaubert Saura auch mal ein Lagerfeuer, mal ein veritables Gewitter in all die K&uuml;nstlichkeiten der Sets. Doch ein magisch echter Moment in all der Inszenierung ist die im Film festgehaltene Frage einer perfektionistischen T&auml;nzerin: &quot;Otra vez, no?&quot; (Machen wir es besser noch einmal?) Es ist zu hoffen, dass nicht nur ein speziell an Musik, Flamenco und h&ouml;chster Filmkunst interessiertes Publikum aufschreit: Noch einmal!<br \/> &nbsp;<br \/> (Die deutsche Verleihversion scheint eine gek&uuml;rzte zu sein, die Angaben vom Filmmarkt Cannes sprechen noch von 120 Minuten statt der 91 bei MFA.)<\/p>\n<p> Spanien 2005, <br \/> Regie und Buch: Carlos Saura<br \/> Choreografie: Jos&eacute; Antonio, Darsteller: Sara Baras, Manolo Sanlucar, Antonio Canales, Aida Gomez, Enrique Morente, Estrella Morente, Rosa Torres-Pardo, Jose Antonio, Chano Dominguez, Jorge Pardo, Gerardo Nunez, Patrick De Bana, Miguel Angel Berna<br \/> L&auml;nge: 91 Min OV<br \/> Kinostart: 25.05.2006<br \/> <\/font>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Iberia Meisterlich! Mit &quot;Iberia&quot; zeigt sich Carlos Saura auf dem H&ouml;hepunkt seiner Kunst. 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