{"id":1377,"date":"2010-08-06T11:45:08","date_gmt":"2010-08-06T10:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2010\/08\/06\/locarno-2010-jungbrunnen\/"},"modified":"2011-03-17T15:30:26","modified_gmt":"2011-03-17T14:30:26","slug":"locarno-2010-jungbrunnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2010\/08\/06\/locarno-2010-jungbrunnen\/","title":{"rendered":"Locarno 2010 &#8211; Jungbrunnen"},"content":{"rendered":"<p>  <title>Locarno 2010 &#8211; Jungbrunnen<\/title>   <font FACE=\"Geneva, Verdana, Helvetica, Arial\"><br \/> Locarno. Nicht nur das Lachen bei der fast durchg\u00c3\u00a4ngig laufen Retrospektive von den Kom\u00c3\u00b6dien von Ernst Lubitsch h\u00c3\u00a4lt jung, auch der neue Festivaldirektor Olivier P\u00c3\u00a8re scheint frische Akzente zu setzen: Die ersten beiden Piazza-Filme n\u00c3\u00a4hren die Hoffnung, dass in Zukunft weniger Gef\u00c3\u00a4lliges und auch mal Herausforderndes bei der 63. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals von Locarno (4.-14.8.) zu sehen sein wird.<\/p>\n<p> Zur Er\u00c3\u00b6ffnung entf\u00c3\u00bchrte Regisseur Benoit Jacquot mit seinem franz\u00c3\u00b6sisch-deutsch produzierten, historischen Drama \u00e2\u20ac\u017eAu fond des bois\u00e2\u20ac\u0153 die 5000 Zuschauer des Open Air-Kinos Piazza Grande in dunkle Bereiche der Leidenschaften. Wie und ob der unansehnliche Streuner Timoth\u00c3\u00a9e die beh\u00c3\u00bctete Tochter des Arztes im Jahr 1865 tats\u00c3\u00a4chlich \u00e2\u20ac\u017emagnetisierte\u00e2\u20ac\u0153 und dann missbrauchte, bleibt r\u00c3\u00a4tselhaft. Denn schlie\u00c3\u0178lich folgt sie ihm in die besinnungslose Wildheit, bis das gepflegte wei\u00c3\u0178e Kleid die Farben der rauen Landschaft angenommen hat. Und irgendwann gewinnt das Opfer nicht nur sexuell die Oberhand. Vor allem durch die Hauptdarstellerin Isild Le Besco, die auch als Regisseurin einen Film in Locarno hat, gelang \u00e2\u20ac\u017eAu fond des bois\u00e2\u20ac\u0153 packend. Ob gottesl\u00c3\u00a4sterliche Passagen die Schuld am sintflutartigen Regen des n\u00c3\u00a4chsten Tag hatten, bleibt ungekl\u00c3\u00a4rt.<\/p>\n<p> Auch \u00e2\u20ac\u017eK\u00c3\u00b3ngavegur\u00e2\u20ac\u0153 der wilde, chaotische und anarchische Spa\u00c3\u0178 von Vald\u00c3\u00ads Oskarsdottir aus Island erf\u00c3\u00bcllte die Sehnsucht eines Festivals nach immer neuen Eindr\u00c3\u00bccken aus allen Ecken der Welt. Daniel Br\u00c3\u00bchl darf Zaungast sein bei dieser mit viel Lust an Zerst\u00c3\u00b6rung in einem abgelegenen Trailer-Park situierten Kom\u00c3\u00b6die. Gestern Abend erhielt die Doku-Fiktion \u00e2\u20ac\u017eHugo Koblet \u00e2\u20ac\u201c P\u00c3\u00a9daleur de charme\u00e2\u20ac\u0153 des Regisseurs Daniel Von Aarburg ein Heimspiel, denn die Siege des sp\u00c3\u00a4ter tragisch verungl\u00c3\u00bcckten Z\u00c3\u00bcricher Ausnahme-Radrennfahrers Hugo Koblet\u00e2\u20ac\u0153 beim Giro d\u00e2\u20ac\u2122Italia 1950 und bei der Tour de France 1951 haben f\u00c3\u00bcr Schweizer immer noch den gleichen Rang wie das \u00e2\u20ac\u017eWunder von Bern\u00e2\u20ac\u0153 f\u00c3\u00bcr die Deutschen. Schon vor der Premiere tauchten immer mehr Hobby-Radfahrer mit den Retro-Trikots von Koblets Cilo-Team in der Stadt auf.<\/p>\n<p> Der deutsche Film-Patriotismus konnte sich an der Weltpremiere von \u00e2\u20ac\u017eIm Alter von Ellen\u00e2\u20ac\u0153 im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden reiben: Ellen Colmar, die franz\u00c3\u00b6sische Stewardess in deutschen Diensten, nervt schon beim Zusehen. Vom D\u00c3\u00bcsseldorfer (dank Filmf\u00c3\u00b6rderung der Filmstiftung NRW) und Frankfurter Flugh\u00c3\u00a4fen geht es in die Welt, die sie nie wirklich sieht. Nach zehn Jahren im Job steigt die Flugbegleiterin Ellen kurz vor einem \u00e2\u20ac\u017eLift off\u00e2\u20ac\u0153 in Frankfurt aus, rennt panisch \u00c3\u00bcber die Startbahn und landet entlassen im Limbo der Flugbegleiter-Hotels: Von der betrunkenen Anmache in der Flughafen-Bar bis zu exzessiven Partys im haltlosen Schwebezustand bleibt Ellen ein Sicherheitsrisiko vor allem f\u00c3\u00bcr sich selbst. Die \u00e2\u20ac\u017eim Alter von Ellen\u00e2\u20ac\u0153 ungew\u00c3\u00b6hnliche Orientierungslosigkeit f\u00c3\u00bchrt sie zu einer Gruppe von jungen Tierrechts-Aktivisten.. Doch wenn das Gefl\u00c3\u00bcgel eines Tiertransportes \u00e2\u20ac\u017ebefreit\u00e2\u20ac\u0153 wird, die H\u00c3\u00bchner auf Kies-H\u00c3\u00bcgeln herumirren und sich der Fuchs freut, dann ist das kalt servierter Idealismus. Ellen sucht weiter, reist zu militanten Tiersch\u00c3\u00bctzern in Afrika und verschwindet schlie\u00c3\u0178lich im Dunst. Vielleicht findet sie dort \u00e2\u20ac\u017eGorillas im Nebel\u00e2\u20ac\u0153, aber das ist eher unwahrscheinlich, den die etablierten K\u00c3\u00a4mpfer warnten: \u00e2\u20ac\u017eNaivit\u00c3\u00a4t ist gef\u00c3\u00a4hrlich hier drau\u00c3\u0178en!\u00e2\u20ac\u0153 Pia Marais (\u00e2\u20ac\u017eDie Unerzogenen\u00e2\u20ac\u0153) gelang ein streckenweise reizvoller, aber auch verkopfter Film. F\u00c3\u00bcr Ellen gibt es keine Antworten, aber es geht zumindest weiter.<\/p>\n<p> Gro\u00c3\u0178e Gef\u00c3\u00bchle und heftige R\u00c3\u00bchrung rief bislang ein akustischer Abschied hervor: Vor dem ersten Film des Festival h\u00c3\u00b6rte man zum letzten Male und deutlich angeschlagen \u00e2\u20ac\u017eLa Voce\u00e2\u20ac\u0153, die Stimme Luigi Faloppas, des Ansagers der Locarno-Filme f\u00c3\u00bcr \u00c3\u00bcber drei\u00c3\u0178ig Jahre. Kurios, das gerade bei einem Filmfestival ein Unsichtbarer so geliebt wurde.<\/font>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Locarno 2010 &#8211; Jungbrunnen Locarno. Nicht nur das Lachen bei der fast durchg\u00c3\u00a4ngig laufen Retrospektive von den Kom\u00c3\u00b6dien von Ernst Lubitsch h\u00c3\u00a4lt jung, auch der neue Festivaldirektor Olivier P\u00c3\u00a8re scheint frische Akzente zu setzen: Die ersten beiden Piazza-Filme n\u00c3\u00a4hren die Hoffnung, dass in Zukunft weniger Gef\u00c3\u00a4lliges und auch mal Herausforderndes bei der 63. 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