{"id":1283,"date":"2010-03-28T17:15:16","date_gmt":"2010-03-28T16:15:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2010\/03\/28\/das-12-internationale-dokumentarfilmfestival-in-thessaloniki\/"},"modified":"2010-03-28T17:15:16","modified_gmt":"2010-03-28T16:15:16","slug":"das-12-internationale-dokumentarfilmfestival-in-thessaloniki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.filmtabs.de\/ft\/2010\/03\/28\/das-12-internationale-dokumentarfilmfestival-in-thessaloniki\/","title":{"rendered":"DAS 12. INTERNATIONALE DOKUMENTARFILMFESTIVAL IN THESSALONIKI"},"content":{"rendered":"<p>  <title>DAS 12. INTERNATIONALE DOKUMENTARFILMFESTIVAL IN THESSALONIKI<\/title>   <font FACE=\"Geneva, Verdana, Helvetica, Arial\">FILME GEGEN DIE KRISE<\/p>\n<p> Von Nana A.T. Rebhan<\/p>\n<p> Trotz der gegenw&auml;rtigen Krise in Griechenland kamen 10% mehr Besucher zu den 189 Filmen aus 41 L&auml;ndern, die dieses Jahr auf dem 12. Internationalen Dokumentarfilmfest in Thessaloniki zu sehen waren. Ein Schwerpunkt lag wie in jedem Jahr auf dem griechischen Filmschaffen, 40 Filme belegten dies. Er&ouml;ffnungsfilm war der sehr lustige und unterhaltsame &#8222;The Invention of Dr. Nakamatsu&quot; des d&auml;nischen Filmemachers Kaspar Astrup &nbsp;Schr&ouml;der. Dr. Nakamatsu ist Kult in Japan, jeder kennt ihn. Er hat mehr als 3.400 Patente eingereicht, darunter Patente f&uuml;r die Floppy Disk, f&uuml;r springende Schuhe, f&uuml;r die CD, DVD, die Digitaluhr und das Cinema Scope Format. Sein Lebensziel ist es, 144 Jahre alt zu werden, mehr als die H&auml;lfte davon hat er bereits geschafft, seinen 80. Geburtstag feiert er im Film. H&ouml;chstpers&ouml;nlich besuchte er das Festival und schickte seinem filmischen Portr&auml;t die Worte &nbsp;&quot;Life should be longer, speed should be shorter&quot; voraus, was mit reichlich Applaus kommentiert wurde. <\/p>\n<p> Diverse Reihen gliedern das Festival: &quot;Views of the World&quot;, &quot;Stories to Tell&quot;, &quot;Recordings of Memory&quot;, &quot;Portraits: Human Journeys&quot;, &quot;Planet in Peril&quot; und &quot;Habitat&quot; sind nur einige davon. <\/p>\n<p> Ein kleiner, spannender Fokus lag auf Filmen aus Nordkorea, dem wohl immer noch am meisten isolierten Land der Erde. &quot;Welcome to North Korea!&quot; begleitet eine Gruppe tschechischer Touristen verschiedenen Alters auf ihrer Rundreise durch das Land. Nat&uuml;rlich durften diese nur mit offizieller Aufpasserin unterwegs sein, die enorme Probleme bekommen w&uuml;rde, sobald sich ihre Sch&auml;fchen nicht ordentlich verhalten. Interessant auch, wie die &auml;lteren der Reisenden, die noch selbst den Alltag im Sozialismus erfahren haben, sich zur&uuml;ckerinnern. <\/p>\n<p> &nbsp;&quot;Kimjongilia&quot; hei&szlig;t eine Blume, die nach Kim Jong Il benannt wurde. Der gleichnamige Film versucht sich ebenfalls Nordkorea zu n&auml;hern, einem Land, das in aller Welt diskutiert wird, aber &uuml;ber das wenig bekannt ist. Regisseurin N.C. Heikin interviewt Nordkoreaner, denen die Flucht aus den zahllosen Arbeitslagern gegl&uuml;ckt ist. Ein junger Mann, der in einem Lager geboren wurde, berichtet, wie er nach seiner Flucht vom ganz normalen Alltag in Nordkorea v&ouml;llig geschockt war. Er wusste nicht einmal, dass es au&szlig;er Reis und Brot auch anderes Essen gibt. Er hatte nie zuvor in seinem Leben Fleisch, Obst oder Gem&uuml;se gegessen. <\/p>\n<p> &quot;Yodok Stories&quot; des polnischen Filmemachers Andrzej Fidyk ist Teil des Fokus auf dessen Arbeit (es werden vier Filme von ihm gezeigt) und handelt von einem Musical, das Fl&uuml;chtlinge aus Nordkorea in S&uuml;dkorea proben. Es reflektiert das Leben in den Lagern, in denen momentan gesch&auml;tzte 200.000 Menschen inhaftiert sind.<\/p>\n<p> Ebenfalls aus Asien stammt der Deb&uuml;tfilm des chinesischen Regisseurs Lixin Fan, der 2009 von China nach Kanada emigrierte. In &quot;Last Train Home&quot; beschreibt er die m&uuml;hevolle Reise, die chinesische Arbeiter Jahr f&uuml;r Jahr auf sich nehmen, um zum chinesischen Neujahrsfest ihre Familien zu besuchen, die sie den Rest des Jahres &uuml;ber nicht sehen. Der Film folgt einer Familie, die sich immer mehr voneinander entfremdet, da die Eltern in einer Gro&szlig;stadt in der Fabrik arbeiten und die Kinder nur einmal im Jahr sehen. Millionen von Chinesen sind dann auf Reisen. &quot;Last Train Home&quot; zeigt die Massen in Bewegung in beeindruckenden Bildern. <\/p>\n<p> &quot;When the Dragon Swallowed the Sun&quot; folgt dem schwierigen Weg des noch sehr jungen, neuen &nbsp;tibetanischen K&ouml;nigs, der bei der Aus&uuml;bung seines Amtes nicht nur von der chinesischen Regierung sondern auch von eigenen Landsleuten behindert wird. Der Film untersucht den Konflikt zwischen Chinesen und Tibetern aus diversen Perspektiven und interviewt Dutzende von Menschen, um so ein vielseitiges Portr&auml;t eines Konflikts aufzuzeigen, bei dem sich jeder seine eigene Meinung bilden soll. Der aus Ostdeutschland stammende, in den USA lebende Regisseur und Produzent Dirk Simon hat 800 Stunden Material gefilmt und sieben Jahre seines Lebens in dieses komplexe Filmprojekt investiert. Es ist ihm dabei gelungen, etablierte Musiker wie Philipp Glass, Thom Yorke und Damien Rice f&uuml;r die Mitarbeit an seinem Soundtrack zu gewinnen. <\/p>\n<p> &Uuml;ber ein Jahrzehnt hat der kambodschanische Journalist Thet Sambath seinem Projekt gewidmet, die Wahrheit aus Nuon Chea, besser bekannt als &quot;Bruder Nummer Zwei&quot;, herauszuholen. Nuon Chea war jahrelang die rechte Hand Pol Pots, dem F&uuml;hrer der kambodschanischen &quot;Roten Khmer&quot;, unter deren Herrschaft von 1975 bis 1979 etwa zwei Millionen Landsleute starben. Zehn Jahre lang besuchte er den 1926 geborenen alten Mann jedes Wochenende auf dem Land, um dessen Vertrauen zu gewinnen und ihn zum Reden zu bewegen. Angetrieben zu dieser m&uuml;hevollen Recherche hat ihn seine eigene Biografie: Sein Vater wurde von den &quot;Roten Khmer&quot; vor seinen Augen ermordet, seine Mutter wurde danach gezwungen, einen Soldaten der &quot;Roten Khmer&quot; zu heiraten. Gemeinsam mit dem britischen Regisseur Rob Lemkin hat er nun &quot;Enemies of the People&quot; geschaffen, der zutiefst ber&uuml;hrt und gleichzeitig ein wichtiges Dokument kambodschanischer Zeitgeschichte ist. <\/p>\n<p> Viele weitere beeindruckende Dokumentarfilme k&ouml;nnen an dieser Stelle leider nur kurz erw&auml;hnt werden, etwa Bosse Lindquists &quot;The Genius and the Boys&quot;, der sich im ersten Teil den enormen wissenschaftlichen Erfolgen von Carleton Gajdusek widmet, die vom Empfang des Nobelpreises durch die schwedische K&ouml;nigin gekr&ouml;nt werden, und im zweiten Teil dessen Privatleben, in dem er f&uuml;r Sex mit Minderj&auml;hrigen an den Pranger gestellt wird. &quot;The Tunnel Dwellers of New York&quot; widmet sich Menschen, die in New Yorks verzweigtem und verschachtelten Kanalsystem leben &#8211; ein finsteres Portr&auml;t. &quot;About Face: The Story of Gwendellin Bradshaw&quot; ist ein sehr intimer Film &uuml;ber das Nachbarsm&auml;dchen der Regisseurin. Diese wurde von ihrer Mutter in ein Feuer geworfen als sie wenige Monate alt war und muss mit den Folgen dieser Verbrennungen leben. W&auml;hrend des Films begibt sie sich auf die Suche nach ihrer abgetauchten Mutter, die als Obdachlose gemeldet ist. <\/p>\n<p> Sehr sehenswert war auch der Tribut f&uuml;r den niederl&auml;ndischen Dokumentarfilmavantgardisten Joris Ivens, dessen fr&uuml;he Werke gezeigt wurden, u.a. seine in der Filmgeschichte legend&auml;ren Kurzfilme aus den sp&auml;ten 20er Jahren, &quot;The Bridge&quot;, &quot;Rain&quot; und &quot;Philips Radio&quot;. Auch Krzystof Kieslowski wurde Tribut gezollt, und seine Dokumentarfilme aus den 60er und 70er Jahren wurden gezeigt &#8211; eine seltene, sehr sch&ouml;ne Gelegenheit, sich auch mit einmal mit der dokumentarischen Arbeit dieses vor allem f&uuml;r seine Spielfilme bekannt gewordenen Regisseurs auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p> <\/font>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DAS 12. 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