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Phantastische Tierwesen – Dumbledores Geheimnisse

USA, Großbritannien 2022 (Fantastic Beasts: The secrets of Dumbledore) Regie: David Yates, mit Eddie Redmayne, Jude Law, Ezra Miller, 143 Min., FSK: ab 12

Diktator ist verjagt – check! Weltherrschaft verhindert – check! Menschheit gerettet – check! (Auch wenn die „Muggels“ von der Gefahr nie eine Ahnung hatten.) Erschreckend austauschbar und übersichtlich konstruiert, zeigt sich ein überlanger dritter Teil der „Phantastische Tierwesen“. Selbst Meister-Mimen wie Jude Law und Mads Mikkelsen können das nur dünn mit Fantastischem übertünchte Zauberstab-Gefuchtel von Potter-Mutter J.K. Rowling bemerkenswert machen.

Es gibt ein neues Team aus Zauberern, Hexen und einem mutigen Muggel-Bäcker um den „Magizoologen“ und Potter-Ersatz Newt Scamander (Eddie Redmayne). Sie müssen unter Leitung des jüngeren Professors Albus Dumbledore (Jude Law) den Wahlsieg des unerklärlicherweise begnadigten Schurken und Faschisten Gellert Grindelwald (Mads Mikkelsen) verhindern. Weil der schon immer die „minderwertigen“ und angeblich stinkenden Muggels ausrotten wollte. Entscheidend ist das am Anfang von Newt gerettete Qilin-Wesen: eine Art Rehkitz, dass sich völlig undemokratisch, aber magisch vor Kandidaten mit reinem Herzen verbeugt. Da Grindelwald dessen Urteil fürchtet, wollen seine Widersacher es in Newts Zauber-Koffer zur Wahl schmuggeln. Der enthält ja als wunderbarstes Element seit dem ersten Film nicht nur einen Zoo fantastischer Tiere, sondern auch deren natürliches Habitat in Form traumhafter Landschaften. Damit wenigstens ein Clou in der langen Handlung steckt, wird der Koffer gleich sechsmal kopiert, um den hellsehenden Grindelwald zu verwirren. Erschreckend schematisch verteilen sich Dumbledores Gesellen in Einzelabenteuer, bevor im Finale alle zusammen wieder mit den Zauberstöckchen fuchteln.

Es ist eine Crux mit den Fortsetzungen der Autorin, deren Name unnennbarer als „Voldemort“ ist, seit diese Frau zu einer Frau Frau gesagt hat. Schon „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen” war ein typisches Zwischenstück mit viel zu vielen Anfängen von Handlungsfäden. Nun Teil 3 der sogenannten „Wizarding World“ nach J.K. Rowling, die letztendlich bei Harry Potter enden wird. Genau wie Marvel sein Universums-Gedöns propagiert, preist Warner Bros. „Phantastische Tierwesen” als fünfteilige Gelddruckmaschine an. Das wäre einfach nur lächerlich, wenn nicht das Ergebnis gutes Kino verhindern würde. Wie es der letzte Marvel-Schund „Morbius“ erschreckend beweist. Die Bemühungen, erst mal EINEN guten Film zu machen, haben darunter gelitten.

Aus der düsteren Endzeitstimmung in „Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“ treten nur zwei, drei Spektakel-Szenen hervor, die wohl die meisten Millionen verschlungen haben. Ein paar feine Zwischentöne sind interessanter. Alle um Dumbledore angesiedelt, der einst Grindelwald liebte und es vielleicht immer noch tut. Das ist wenig für zweieinhalb Stunden Film, zu wenig.

Nach dem Bond-Schema geht es von London zu einer Episode ins Berlin der früher 30er und zum Finale auf ein Bergkloster Bhutans. Berlin bebildert schockierend überdeutlich den drohenden Faschismus: Der simple Hitler-Vergleich arbeitet mit Oberzauberer Anton Vogel, gespielt von Oliver Masucci (“Er ist wieder da”, “Dark”), als klasse autoritären Hindenburg-Ersatz. (Oder militärisch-industriellem Komplex, je nachdem, wie man Geschichte lieber liest.) Dazu Massen mit grimmig verzerrten Gesichtern, eine entscheidende Wahl und das Schicksal der Welt.

Jude Law ist dagegen für die feinen Töne zuständig, auch wenn er im Finale wie alle Zauberstock-Fechten betreiben muss. Dumbledores alte Liebesgeschichte mit Gellert Grindelwald könnte das ganze Theater emotional zusammenhalten, bleibt aber leider Stückwerk. So trinken die beiden anfangs zusammen Tee („das können die Muggels wenigstens“), erinnern sich an ihren Jugendschwur, niemals gegeneinander zu kämpfen, und tun es am Ende doch. Im gnadenlosen Stile Penthesileas nach Kleist: Bis aufs Blut, während ihre Herzen noch für einander schlagen.

Die Liebesgeschichte von Newt wird ausgesetzt, die des Muggel-Bäckers Jacob Kowalski (Dan Fogler) und seiner Hexe Queenie Goldstein (Alison Sudol) läuft mit und sorgt für ein mäßiges Happyend. Mit dem einsamen Dumbledore draußen vor der Tür.

Mads Mikkelsen (Johnny Depp wurde von der Rolle verbannt) als eiskalter Bösewicht mit dänischem Dialekt bekommt im ganzen Gewusel zu wenig Wirkzeit und -Raum. Eindruck macht noch der fürchterlich wütende Credence Barebone (Ezra Miller) als düsterer dritter Dumbledore. Unikate im aufwendig gefilmten Aktionismus bei innerem Leerlauf sind ausgerechnet „Phantastische Tierwesen“ des Titels. Was im ersten Teil mit Humor und vielen verrückten Einfällen erfreute, reduziert sich hier auf das messianische Qilin. Und Monsterkrebse, die Newt nachäffen und so in der Höhle eines Riesen-Skorpions zu Rudeltänzern werden. Ein Hauch von Humor in dieser „Wizarding World“-Maschinerie, die sich selbst viel zu ernst nimmt.


Ein FILMtabs.de Artikel