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Army of the dead / Netflix

„We’re caught in a trap“ – wir sitzen in der Falle, singt passenderweise Elvis, während eine Zombie-Horde in Las Vegas einfällt. Nachdem der Klassiker „Dawn of the Dead“ von George A. Romero mit seelenlosem Konsumwahn im Supermarkt spielte, will dieses Mal die glitzernde Spielerstadt ein reiz- und inhaltsvoller Hintergrund für gesellschaftskritischen Unterbau sein. Aber nach der Invasion blieben nur Trümmerfelder und Leichenberge. Vegas wurde hermetisch eingeriegelt und eine Atombombe soll das Zombie-Problem lösen. In letzter Minute will eine Gruppe von Söldnern um Scott Ward (Dave Bautista) viele Millionen aus dem Tresor eines Casinos retten. Die „Klapperschlange“-Aktion wird für ihn zum Wiedersehen mit Tochter Kate Ward (Ella Purnell).

Dass Zombie-Filme menschenverachtendes Gemetzel zeigen, ist klar. Die Frage ist jeweils, ob dieses Abschlachten sogenannter Un-Menschen als Feigenblättchen etwas Sozialkritik enthält. Oder ob gar am Ende des Blutrausches scheinheilig behauptet wird, Abschlachten sei keine gute Sache. Tatsächlich dauert es nach dem hochgradig ästhetisierten Vorspann-Gemetzel im Stile von Zack Snyders „300“ – jetzt ersetzen Zombies die Perser – fast eine Stunde bis zur nächsten Blut-Spritzerei. Weiterhin ist der Drax-Darsteller Bautista aus „Guardians of the Galaxy“ wortkarg, aber die vielen Nebenfiguren sind mit einem Minimal-Satz an Charakter ausreichend ausgestattet. Neben der französischen Anführerin Lilly „The Coyote“ (Nora Arnezeder) sorgt der deutsche Schauspieler Matthias Schweighöfer für internationales Interesse. Er gibt als Safe-Knacker im Hippster-Dress den witzigen Part, allerdings nicht als Einziger und nicht als Bester. Komischer als sein angstvolles Kreischen mit hoher Stimme ist US-Comedian Tig Notaro („Star Trek: Discovery“) als zynische Helikopter-Pilotin. Wie einen filmtechnischen Zombie hat man sie für Millionen nachträglich in den fertigen Film kopiert, weil der eigentliche Darsteller Chris D’Elia nach Vorwürfen sexueller Übergriffe im Rahmen von Cancel Culture ausradiert wurde.

„Army of the dead“ (USA 2021), Regie: Zack Snyder, mit Dave Bautista, Ella Purnell, Omari Hardwick, Matthias Schweighöfer, 148 Min., Altersfreigabe ab 14


Ein FILMtabs.de Artikel