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Winterreise / Video on Demand ****

In seiner letzten Rolle verkörpert Bruno Ganz den Holocaust-Überlebenden George Goldsmith, nach eigener Aussage ein „langweiliger alter Mann“ aus Tucson, Arizona. Doch sein Sohn Martin Goldsmith befragt ihn zur Kindheit in Deutschland, in welcher der Vater Günther Goldschmidt hieß und von Mozarts „Zauberflöte“ zur Karriere eines begnadeten Flötisten inspiriert wurde. Bis die Nazis alle jüdischen Musiker mit Berufsverbot belegten. Frühe Fluchtpläne bricht Goldschmidt ab, weil er bei einem Orchester des jüdischen Kulturbundes seine spätere Frau kennenlernt…

Basierend auf dem autobiografischen Buch „Die unauslöschliche Symphonie. Musik und Liebe im Schatten des Dritten Reiches – eine deutsch-jüdische Geschichte“ von Martin Goldsmith gelingt Regisseur Anders Østergaard eine faszinierende Mischung aus Dokument und fiktionaler Nacherzählung. Die nur zögerlich gewährten Erinnerungen des grantigen Vaters (Bruno Ganz) sind elegant zwischen dramatisierte Dokustückchen und nachgespielte Erlebnisse montiert. Alles begleitet von sehr passenden Sätzen aus Schuberts Liedzyklus „Winterreise“: „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“. Die geradezu perverse Institution des jüdischen Kulturbundes ist neben dem persönlichen Drama ein faszinierendes Thema: Die gerade deutschlandweit entlassenen jüdischen Künstler wurden darin zu Zehntausenden während einer Gnadenfrist zum Propaganda-Instrument für die Reichskulturkammer.

„Winterreise“ (Dänemark, BRD 2019), Regie: Anders Østergaard, mit Bruno Ganz, 89 Min., FSK: ab 12


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