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The Falcon and the Winter Soldier / Disney+

Superhelden beim Bügeln – wollen wir das sehen? „The Falcon and The Winter Soldier”, die nächste Serie rund um Marvels Action-Figürchen, gibt einen melancholischen Ton der Tatenlosigkeit vor. Nach großem Action-Spektakel selbstverständlich. Bei guten Bildern und Darstellern, bei viel verfilmten Dollars weiß man nach einer Folge überhaupt nicht, wo es hingehen soll mit zwei orientierungslosen Nebendarstellern der bisherigen „Captain America“-Filme.

Wie gesagt: Bügeln! Nein, dies ist nicht „WandaVision“, keine überdrehte Spielerei mit bekannten Superhelden. Hier geht bei der Hausarbeit ein wehmütiger Blick zurück auf altes Heldentum, verkörpert von Captain Americas Vibranium-Schild, der tatenlos herum liegt. Sam Wilson (Anthony Mackie), im Helden-Job „The Falcon“ genannt, war durch die Ereignisse in „Avengers: Infinity War“ (2018) und „Avengers: Endgame“ (2019) fünf Jahre lang verschwunden – wie die Hälfte der Menschheit. Ein paar Monate später hat er jetzt Probleme, sich wieder zurechtzufinden. Zwar gibt es noch Aufträge der US-Army, aber einen Kredit für das Fischerei-Unternehmen der Schwester bekommt Sam Wilson als Schwarzer „ohne Einkünfte in den letzten Jahren“ nicht. So absurd die Begründung ist, eine Bank kann sich derartige Logik erlauben. Auch ein prominenter Superheld muss keinen Kredit bekommen – eine nett zynische Note zum Realitätsgehalt dieser ganzen Filmchen.

Bucky Barnes (Sebastian Stan), der berüchtigte „The Winter Soldier“, muss verarbeiten, dass er über 100 Jahre alt ist und im Zustand einer Gehirnwäsche für Hydra viele Menschen umgebracht hat. Die verfolgen ihn noch in seinen Träumen. Die staatlich auferlegte Therapie hilft dem auf Bewährung frei Rumlaufenden nicht. Also kein großer Spaß in der Unterabteilung „Gebrochene Superhelden-Nebenfiguren“.

Derweil starten im fernen Europa irgendwelche Unruhen, mit denen dann wohl bald Daniel Brühl als Baron Zemo zu tun haben wird. Die Presse weiß diesmal nicht mehr als das Publikum. Hat Disney+ Angst vor schlechten Kritiken? Wir warten also auf den großen Auftritt von Daniel Brühl als Zemo, während der deutsche Star diesen in seinem eigenen (Berlinale-) Film „Nebenan“ längst großartig auf die Schippe genommen hat.

Zwar darf Sam Wilson nun wie im richtigen Film Action mit atemberaubender Flugshow hinlegen, doch danach wird der Captain America-Schild im Museum an den Nagel gehangen. Diese Flugeinlage zum Auftakt ist die übliche rasant-spektakuläre Action, bei welcher der anfangs so technisch überlegene und höher ausgerüstete Falcon sich letztlich wieder rumkloppen muss. (Regisseur Kari Skogland verantwortete vorher Netflixs „The Punisher“). Es gibt die unausweichlichen Felsschluchten und nur einmal dürfen Sie raten, wo die Raketen, die Falcon jagen, letztlich einschlagen? Bei Freund oder Feind? Falcon bekommt als Begleiter eine Mini-Drohne, das alles sieht sehr nach „Iron Man“ aus. Nur der interessante Charakter in der Rüstung fehlt. Wobei Anthony Mackie („Detroit“, „The Hate U Give“) mit Charme und Leidensfähigkeit kein schlechter Schauspieler ist.

Das also beschert uns das so größenwahnsinnig verkündete „Marvel Cinematic Universe“ (MCU) in der zweiten neuen Serie nach „WandaVision“. Niemand weiß so richtig, was die „Phasen“ vom MCU bedeuten, aber mit diesen beiden Serien fängt die vierte und bislang letzte „Phase“ an. Aufhören soll sie im Jahr 2022 mit dem Kinofilm „Thor: Love and Thunder“. Wenn es dann noch Kinos gibt. Die erste Folge von „The Falcon and The Winter Soldier” lässt einen ratlos und enttäuscht zurück. Es ist Marvel und den Fans zu wünschen, dass sich diese Superhelden-Düsternis in den folgenden wöchentlichen Folgen aufklärt.

„The Falcon and the Winter Soldier“ (USA 2021), Regie: Kari Skogland, mit Anthony Mackie, Sebastian Stan, Desmond Chiam, sechs Teile à ca 45 Min., Altersfreigabe: 12+


Ein FILMtabs.de Artikel