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Uferfrauen

D 2020, Regie: Barbara Wallbraun, 121 Min.

Pat betritt zum ersten Mal seit jener Nacht die Dachgeschosswohnung in dem kleinen Ort im Nordwesten von Mecklenburg-Vorpommern. Hier hat sie mit dem Mädchen vom Jugendwerkhof »eine wundervolle Liebesnacht verbracht«, als Parteifunktionäre die Tür eintraten und sich ihr Leben für immer veränderte. Wenn sie von ihrer ersten Liebe erzählt, leuchten ihre Augen. Erinnert sie sich an die Ungerechtigkeit, die ihr widerfuhr, brüllt sie ihre Wut in den leeren Raum. Auch mit Anfang Fünfzig ist der Schmerz noch spürbar. Vor der Kamera von Barbara Wallbraun spricht sie zum ersten Mal darüber. Die Leipzigerin hat mit »Uferfrauen« ihr dokumentarisches Langfilmdebüt gedreht, weil sie selbst überrascht war, wie wenig über die Liebe zwischen Frauen in der DDR bekannt ist. Wallbraun wollte die persönlichen Geschichten festhalten, bevor sie in der Zeit verloren gehen. Wie sah es aus, das Leben in der DDR, in der es für die Frauen keine Möglichkeit gab, sich auszutauschen? Der Film zeichnet in Interviews mit sechs Protagonistinnen ein vielfältiges, berührendes, oftmals erschütterndes Bild lesbischer Liebe in der DDR. Geschichten von einem stillen Coming-Out, einem geheimen Kennenlernen, erster Liebe und der Konfrontation mit einem Staat, der diese Liebe nicht zuließ. Die Frauen vor der Kamera sind überraschend offen und ehrlich und geben ihrer Generation ein Gesicht. Ihre Erzählungen gehen zu Herzen und bleiben lebendig.


Ein FILMtabs.de Artikel