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Out of Play

USA 2019, 109 Min., R: Gavin O’Connor, D: Ben Affleck, Al Madrigal, Janina Gavankar, FSK 12

Das inspirierende Sportdrama ist ein eigenes Subgenre des amerikanischen Films. Meist nach dem immer gleichen Erfolgsrezept gekocht, entwickeln sich die Produktionen regelmäßig zu Publikumserfolgen im Heimatland, während man hierzulande eher den Kopf schüttelt. Die US-amerikanische Begeisterung für Football, Basket- oder Baseball ist für die meisten Europäer schwer nachvollziehbar. Filme wie „The Blind Side“, „Coach Carter“ oder „Moneyball“ nehmen, zumeist auf wahren Begebenheiten beruhend, einen abgehalfterten Trainer, der eine drittklassige Mannschaft durch Teamgeist zum Sieg führt und dabei über sich selbst hinaus wächst. Die Spannung ergibt sich dabei durch den Spielablauf, bei dem das Publikum um jeden Punkt zittert, quasi von selbst.

Auch „Out of Play: Der Weg zurück“ vertraut im Kern auf dieses Rezept, fügt dem Sportdrama aber eine tiefere Ebene hinzu. Im Kern ist Gavin O‘Connors Film nämlich ein Suchtdrama. Jack Cunningham (Ben Affleck) hat sich an das Ritual gewöhnt: Das erste Bier morgens unter der Dusche, Hochprozentiges in der Thermoskanne bringt in durch den eintönigen Arbeitsalltag auf dem Bau und der Tag endet entweder in der Stammkneipe, wo er sich bis zur Besinnungslosigkeit zulaufen lässt oder daheim, wo er trinkt bis entweder der Biervorrat leer ist oder er ins Koma fällt. Am nächsten Tag beginnt das Spiel von vorn.

Dabei hat Jack eine liebenswerte Familie, doch wenn sich seine Schwester Beth (Michaela Watkins) oder seine Ex-Frau Angela (Janina Gavankar) erkundigen, wie es ihm geht, macht Jack dicht. Er trinkt, um zu vergessen – bis ihn die Vergangenheit einholt und ihm eine zweite Chance offeriert: Er soll das Basketballteam seiner alten High-School trainieren, denn Jack war einst der hoffnungsvolle Star der Schule. Als ihm die Argumente ausgehen, den Job abzulehnen, willigt er ein. Was er vorfindet, ist ein Haufen selbstverliebter Halbwüchsige, von denen sich jeder einzelne in den Vordergrund spielen will. Bis auf den stillen Brandon (Brandon Wilson), in dem ein wahres Talent schlummert. Jack geht unerwartet in seiner Rolle als Mentor für die Kids auf, bis ihm einfällt, was er eigentlich vergessen wollte.

Betäubt und voller Zynismus begegnet Jack der Welt und ist wahrlich kein Charmebolzen. Ben Affleck spielt ihn distanziert und in sich gekehrt. Der Grund für sein Verhalten trifft den Zuschauer unerwartet und ins Herz. Es ist Afflecks überzeugende Darstellung eines Alkoholkranken, die über den ein oder anderen Drehbuchschnitzer und den genretypisch eher konventionellen Handlungsablauf hinwegsehen lässt. Den Spielszenen messen Drehbuchautor Brad Ingelsby („Run All Night“) und Regisseur Gavin O‘Connor, mit dem Affleck bereits den ungewöhnlichen Killer-Thriller „The Accountant“ inszenierte, erfreulicherweise nicht zu viel Raum ein, die Biographien der Spieler bleiben größtenteils Nebensache. „Out of Play“ konzentriert sich voll auf Jacks Schicksal und seinen Kampf, sich aus der lähmenden Depression zu befreien.


Ein FILMtabs.de Artikel