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Die Eiskönigin 2

USA 2019 (Frozen 2) Regie: Jennifer Lee, Chris Buck, 103 Min., FSK 0

Damit hatte wohl niemand gerechnet: Der Erfolg von „Die Eiskönigin“ überstieg 2013 selbst die kühnsten Erwartungen von Disney. Mehr als 1,2 Milliarden Dollar Einspiel standen am Ende weltweit zu Buche. Wahrscheinlich kann man die selbe Summe noch einmal für das Merchandise draufschlagen. Elsa und Anna sind überall, ob auf dem Schulranzen oder dem Frühstücksmüsli. Keine Tanzschule kommt ohne Choreographie auf „Let it go“ aus, dem Hit des Trickfilms, inbrünstig geschmettert von jedem sechsjährigen Mädchen der westlichen Hemisphäre.

Dabei widerspricht „Die Eiskönigin“ dem Kinoprinzip des Spektakels und erzählt eine ganz klassische Geschichte, die lose auf dem Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen basiert. Nach dem plötzlichen Tod der Eltern müssen die Schwestern Anna und Elsa ihren Platz im Königreich finden. Elsa, die Ältere, wird schließlich zur Königin gekrönt, die Bürde der Verantwortung und die mächtigen magischen Kräfte, die in ihr schlummern, drohen sie jedoch zu erdrücken. Anna, die Jüngere, steht ihr bei und schließlich finden sie gemeinsam einen Weg, ihre Heimat Arendelle vor dem Untergang zu retten.

Einige Jahre später leben sie alle unter einem Dach: Anna, die mittlerweile zur Frau herangewachsen ist, an ihrer Seite Kristoff, der ihr einen Antrag machen will, aber nicht weiß, wie er es anstellen soll. Auch Elsa ist gereift, hat ihre Kräfte im Griff, aber nicht ihre Abenteuerlust. Nachts hört sie den Ruf einer fremden Stimme und muss ihr folgen, an einen Ort aus den Geschichten ihrer Kindheit. Doch diesmal muss sie nicht alleine gehen. Anna, Kristoff und Sven sind an ihrer Seite. Und natürlich Olaf, der stets optimistische Schneemann.

Die Reise führt sie in einen verwunschenen Wald, von dem der König einst in einer Gutenachtgeschichte erzählte. Als es zum Kampf zwischen den Soldaten Arendelles und dem Volk der Northuldra kam, wurden die Geister des Waldes zornig und legten einen dichten, undurchdringlichen Nebel über das Land. Die Gefährten müssen den Grund für den Disput erforschen, um die Geister zu besänftigen. Für Elsa führt die Reise noch weiter, denn jenseits des Waldes liegt der Ursprung ihrer Kräfte – und der Ort, der ihren Eltern das Leben nahm.

Die Suche nach Antworten führt ins Reich der Geschichten, die deutlich inspiriert sind, von japanischer Folklore. Die Filme von Großmeister Hayao Miyazaki („Prinzessin Mononoke“) standen hier Pate. Jennifer Lee und Chris Buck, die schon Teil eins realisierten, vermischen die Sagenwelt mit ernsten Themen wie Verantwortung und Erwachsenwerden. Das hat Vorbildcharakter, vor allem für heranwachsende Mädchen, denn unter der prachtvollen Garderobe stecken Unsicherheit und Zweifel, die es zu überwinden gilt. Das wird manchmal etwas düster, aber ohne allzuviel Kitsch erzählt. Die männlichen Figuren wie der verliebte Kristoff und der herzensgute Sidekick Olaf sorgen für Auflockerung in ernsten Momenten. Schließlich bekommt auch der oscargekrönte Soundtrack des ersten Teils einen würdigen Nachfolger. Besonders Elsas Aufbruch ins Abenteuer wird wohl noch lange in den Ohren der Millionen Kinogänger weltweit nachhallen.


Ein FILMtabs.de Artikel