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Elizabeth – Das goldene Königreich

GB, Frankreich 2007 (Elizabeth: The Golden Age) Regie: Shekhar Kapur mit Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Clive Owen 115 Min. FSK: ab 12

Elizabeth I, die zweite

1998 kam Cate Blanchett grandios und königlich als Elizabeth I raus. Shekhar Kapur inszenierte die ersten Regierungsjahre einer historisch eindrucksvollen Figur. Kostüme und Kamera machten Macht spürbar, Cate sorgte für die emotionale Tiefe dieser Herrscherin, sieben Mal wurde der optisch opulente Film für den Oscar nominiert. Fast ein Jahrzehnt musste man auf “Elizabeth II” warten, Shekhar Kapur drehte zwischendurch “Die vier Federn” (2002), Stephen Frears beschäftigte sich mit dem Innenleben der jetzigen “Queen”, der wirklich zweiten Elisabeth. Fortsetzungen sind etwas für einfallslose Massenware und bei Meisterwerken eher ungewöhnlich. Was bieten Cate und Kapur Neues?

Es sind bewegte Zeiten: Der hinterhältige Spanier Philip II benutzt das Mäntelchen der Religion als Vorwand für seine Eroberungspläne gegenüber England. Der anglikanischen Staatskirche stehen die “Papisten” gegenüber. Die Schottin Mary Stuart beansprucht den Thron, ein Bürgerkrieg droht. Und alle sorgen sich angeblich um das Seelenheil der armen Untertanen. Aus der “Neuen Welt”, die damals noch nicht Südamerika hieß, kommen fremde Menschen, Gold und Kartoffeln. Auf den Weltmeeren kapern englische Piraten die übermächtige Armada, rauben die Schätze der Kolonien.

Doch der Alltag einer Herrscherin des 16. Jahrhunderts ist ungewöhnlich lebendig zu erleben: Elizabeth schießt offene und spöttische Kommentare bei der Audienz ab. Sie raucht mit ihren Kammerdamen im Nachthemd den gerade erst aus der Neuen Welt geklauten Tabak. Als Jungfrau auf der Suche nach einem Mann – offiziell und auch durchaus leidenschaftlich – wirft sie ein Auge auf den Kapitän Sir Walter Raleigh. Wenn sie als royalen Abschiedsgruß meint, “I like you” (ich mag sie), nimmt er sich die freibeuterische Frechheit heraus, zu antworten: “And I like you!”

“Elisabeth II” versucht gar nicht erst, eine steife historische Korrektheit herzustellen. Stattdessen darf die Integrität der Figuren aufleben – das bleibt der große Pluspunkt des Konzepts von Kapur. Und in idealer Besetzung vereint Blanchett Würde und Jovialität, Form und Feingefühl. Clive Owen hat den perfekt verwegenen Blick für einen Piraten des Herzens und sein Sir Walter Raleigh spielt auch die ganze spanische Armada an die Wand.

Wenn wieder schillernde Kostüme und betörend schöne Bildkompositionen das Ganze krönen, wenn Schattenspiele und Kerzenlicht für eine exzeptionelle Stimmung sorgen, beweist Kapur erneut sein enormes Kino-Können. Dabei stellt er seine Inszenierung ganz in den Dienst einer großen (Schauspiel-) Königin. (Was man in der deutschen Synchronisation leider verpasst, ist der Spaß, Cate Blanchett original in Deutsch zu hören.)


Ein FILMtabs.de Artikel