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Der Teufel trägt Prada


USA 2006 (The Devil Wears Prada) Regie: David Frankel mit Meryl Streep, Anne Hathaway, Stanley Tucci 109 Min. FSK: o.A.

Dass die ganze Branche nur davon lebt, wie Frauenzeitschriften ihrem Publikum das Selbstwertgefühl untergraben und für ewig schlechtes Gewissen sorgen, wird hier niemals erwähnt. Aber selbst im Reich der Harmlosigkeiten ist diese “Teufelei” brav und vorhersehbar. Nach der autobiografischen Buchvorlage von Lauren Weisberger steigt ein natürlich sympathisches Mädchen in kalter Glamourwelt auf und geht dabei Gefahr, sich selbst zu verlieren.

Andrea Sachs (Anne Hathaway) kommt aus der Provinz und landet in New York als zweite Sekretärin bei “Runway”, einem namhaften Modemagazin. Alle tragen schwarze Klamotten, alle sind hektisch, panisch und neurotisch. Die erste Sekretärin Emily (Emily Blunt) weist sofort darauf hin, dass “eine Millionen Mädchen für diesen Job morden würden.” Sie vergaß zu erwähnen, dass es tatsächlich ein mörderischer Job ist, vor allem wegen der Chefin Miranda Priestly (Meryl Streep). Die selbstherrliche Inquisitorin der Modewelt knallt Morgen für Morgen schlecht gelaunt, arrogant, bösartig und unhöflich ihren Mantel auf den Schreibtisch, damit ihn jemand anderes wegräumt. Andrea darf nie nachfragen, egal wie sinnlos der Auftrag ist. Unmögliches zu erledigen, gilt hier als selbstverständlich. Wenn Andrea den neuen Harry Potter noch vor dem vor dem Druck besorgt, gibt es keinen Dank. Der normale Arbeitswahnsinn halt.

Doch das “kluge Pummelchen” (Zitat Miranda) macht – kaum verständlich – den Wahnsinn mit. War sie Anfangs noch so vernünftig, den Laden nicht ernst zu nehmen, die albernen Eitelkeiten und Äußerlichkeiten mit einem Lächeln zu quittieren, macht sie jetzt alles mit. Sie hofft auf Beziehungen für ihren Traum, Schriftstellerin zu werden. So sieht Andrea bald genau so albern aus, wie die anderen Mode-Tussen. Das “Working Girl” vergrault Freunde und ihren “Boyfriend”. Sie ist Tag wie Nacht bereit, zu springen, wenn Miranda anruft. Bei der Anpassung ist Nigel (Stanley Tucci), die Seele des Ladens, hilfreich. Ein Gang durch die reichhaltige Garderobe, die wohl das weibliche Publikum begeistern soll, und Andrea sieht in unbequem hohen Schuhen, hinter dicker Schminke nur noch albern aus. Mit zynischen Bemerkungen hilft Nigel auch, die Tretmühle zu ertragen.

Wenn man das Magersucht-Verbot bei den Modemessen von Madrid und Mailand als Fortschritt betrachtet, ist dieser Film Mittelalter, weil nur sanfteste Seitenhiebe auf das Hungern für Größe 2 zu entdecken sind. Auch ansonsten ist Andreas Erfolgsstory von Harmlosigkeit bestimmt. Wie gemein und geistreich zog doch Robert Altman in “Pret-a-Porter” die Modebranche durch den Kakao. Auch wenn Meryl Streeps Drache Miranda nun eine geniale Show der arroganten Kälte ist, waren damals die Chefredakteurinnen richtig böse. Das Versöhnliche verantwortet wohl die Autorin Lauren Weisberger, die selbst so eine “Karriere” bei der “Vogue” erlebte. Immer hin lernt ihre Andrea letzlich, sich nicht von diesen Predigern des falschen Lebens fertigmachen zu lassen. Am Ende schenkt sie ihnen ein unbezahlbares Accessoire, ihr entwaffnendes Lächeln.


Ein FILMtabs.de Artikel