Zeit der trunkenen Pferde

Iran 2000 (Zamani baraye masti asbha) Regie Bahman Ghobadi, 75 Min.

Schon der bildkräftige Titel deutet es an, "Zeit der trunkenen Pferde" ist eine dieser edel gewirkten Geschichten aus dem Iran: Rau und betörend, erschütternd und doch hoffnungsvoll.

Nachdem der Vater beim Schmuggeln von einer Mine getötet wurde, kümmert sich der zwölfjährige Waise Ayoub um das Überleben seiner vier Geschwister. Alle Kinder aus dem Dorf der iranisch-irakischen Grenzregion arbeiten hart. In einem überraschend modernen Bazar oder als Schmuggler. Ayoub muss zusätzlich Geld für die lebensnotwendige Operation seines schwer behinderten Bruders Madi verdienen. Da es aber nicht reicht, opfert sich die ältere Schwester Rojin zu einer Heirat. Doch die Brautübergabe in irgendeinem verschneiten Tal scheitert, die Schwiegermutter will den behinderten Bruder nicht. Das Mädchen Rojin wird schließlich für einen Maulesel verkauft, Madi muss zurück bleiben und der verzweifelte Ayoub zieht wieder mit schweren Paketen und Autoreifen über Schnee bedeckte und verminte Berge in den Irak. Immer wieder wird dem Treck aufgelauert, Gewehrschüsse hallen über die Hügel ...

Bahman Ghobadi, der einst beim bekanntesten iranischen Regisseur Kiarostami ("Wo ist das Haus meines Freundes?") Assistent war, erzählt eine dichte und packende Geschichte mit eindrucksvollen Gesichtern und Landschaften. Ayoub durchlebt ein ganz eigenes Drama ohne dass der Film dabei rührselig wird. Das von Laien gespielte Meisterwerk vermittelt viel von den unvorstellbar harten Lebensbedingungen der Kurden im Grenzgebiet. Auch der Filmtitel erzählt von dieser Härte: Die Lastpferde sind betrunken, weil ihnen Alkohol als "Frostschutzmittel" ins Trinkwasser gekippt wird.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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