Harte Jungs

BRD 2000 (Harte Jungs) Regie Marc Rothemund, ca. 90 Min.

Nach fünf in der Unterhose

Harte Jungs ... das sind nicht die DeNiros und Pacinos des Kinos, das ist auch keine authentische Dokumentation von deutschen Straßen. Das Zielgebiet und das Thema dieses Films liegen eindeutig unter der Gürtellinie, im erwachenden Genitalbereich pubertierender Knaben.

Produzent Bernd Eichinger hatte wohl nach dem Dreh von Doris Dörries "Ich und Er" noch ein paar Rechte an Alberto Moravias gleichnamigen Roman aus 1971. Und so wird auch der 15-Jährige Florian (Tobias Schenke) eines Morgens aus seiner Unterhose heraus angesprochen. Fortan funkt "er" immer dazwischen und will nur noch die eine: Die Leonie in Rot von ein paar Klassen drüber. Auch die Kamera beseelt so ein kleiner Freund, denn sie hält gnadenlos auf weibliche Brüste und Hintern. Völlig realistisch für unsere Zeit hat der Jüngling Florian noch keinen Schimmer von Sex und erhält ebenso ahnungslose Nachhilfe von seinem Freund Red (Axel Stein). Diese Kids sind so vorgestrig, dass die Autoren hinterm Mond leben müssen.

Die pupertäre Widergeburt von "Eis am Stiel", die Auferstehung von Zotten-Zombies aus der Zeit der Penäler- und Pauker-Filme. Verklemmt, beschränkt, unverschämt naiv, sexistisch und völlig am Zug der Zeit vorbei. Angestaubte Penälerscherze als geistiges Abführmittel und eine Kopfwäsche in der Kloschüssel für den letzten Widerstand der Gehirnwindungen. Horror pur, gegen den man wohl nur mit täglich drei Löffeln Clearasil immun wird. Die simplen Figuren werden wenigstens durch eine erbärmlich Nachsynchronisation direkt abgestraft. Wenn diese Pappkameraden auch noch Romeo und Julia nachspielen, ist das Grauen perfekt.

Während die gelungene Komödie "Nach fünf im Urwald" neben Spaß auch noch Vergangenheitsbewältigung lieferte, verstellen in diesem "Nach fünf in der Unterhose" schlechte Witze den Blick auf ein gähnendes Nichts. Der sprechende "Freund" ist ein kurzer Gag, der sich schnell verbraucht. Dabei hatte "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" vom gleichen Regisseur Rothemund doch viele nette Ansätze.

Aber - typisch für Erfolgs-Produzent Eichinger - der Nachbau amerikanischer Teeniefilme ist ein Knaller für ein ganz schmales Segment in Hirn und Publikum, das gleich jeden Schwulen auf der Leinwand als Lach-Brüller begrölt.


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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