A History of Violence

USA/Kanada 2005 (A History of Violence) Regie: David Cronenberg mit Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt 96 Min.

Wenn der Kanadier David Cronenberg "Violence", also Gewalt, behandelt, kann man viel erwarten, denn der Ex-Schocker krönt und konterkariert in seinen Filmen immer hochintelligent die Genres. Nun erzählt er eine Geschichte um Identität und Gewalt, "A History of Violence".

Ein ganz braver Imbissbesitzer und Familienvater bringt in einem amerikanischen Nest überraschend waidgerecht zwei Räuber um. Tom Stall (Viggo "Mittelerde" Mortensen) wird allerdings dadurch zum nationalen Helden und macht einige Mafia-Typen auf sich aufmerksam. Die meinen ihn unter anderem Namen zu kennen. Ein aalglatter Killer (Ed Harris) und seine schwarze Limousine bedrohen das Dorf, Stalls Frau Edie (Maria Bello) und ihre Kinder. Aber auch die Möglichkeit, dass ihr Mann und Vater vielleicht ein anderer, ein brutaler Killer, sein könnte, verstört zutiefst.

Die Frage nach Identität und die Möglichkeit, sie zu wechseln - an sich schon ein hoch spannendes Thema in Kunst ("Somersby") und bei historischen Umbrüchen. David Cronenberg lotet diesen Grenzbereich von Identität in einer familiären Sphäre aus und lädt ihn mit der erschreckenden Gewalt auf, zu der Tom Stall plötzlich fähig ist, scheinbar fähig sein muss.

Viggo Mortensen ("Herr der Ringe", Hidalgo") nutzt die Gelegenheit, mal eine Charakterrolle ohne Pferd zu spielen. Mit Verletzlichkeit und mörderischer Härte im Blick. Auch William Hurt überrascht als Toms Bruder, man sieht ihn nicht weinerlich sondern richtig gut wahnsinnig.

Immer wieder erlauben sich gerade die berüchtigsten Horrorregisseure einen Ausflug ins - scheinbar - ganz Einfache. Wes Craven machte auf Geigen-Seligkeit mit Meryl Streep. David Lynch, der schrägste Verstörer von allen, ließ einen Ruheständler mit dem Rasenmäher durch die USA fahren. Und nun der kanadische Macher von "Twins", "Naked Lunch", "eXistenZ", "Spider") ....

Während "A History of Violence" ohne Zweifel ein außergewöhnlich guter Film ist, dicht, gradlinig und packend seine einfache Geschichte präsentiert, fehlt auf den ersten Blick das Außergewöhnliche im Grenzbereich von Ästhetik, Moral und Selbstanalyse, das Cronenberg ansonsten lustvoll auslotet. Das Provokante kommt alltäglich, bürgerlich daher. Weshalb flammt zwischen den Ehepartnern aggressive Lust auf angesichts der Edis Erkenntnis, jahrlang mit einem Fremden im Bett gewesen zu sein? Kann sich die Familie mit der Möglichkeit zahlreicher Morde zum gemeinsamen Mahl an einem Tisch einfinden?


Eine Kritik von Günter H. Jekubzik

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