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Gelbe Briefe

D/F/TR 2026, R: Ilker Çatak, D: Yusuf Akgün, Emre Bakar, Tansu Biçer,
128 min

Vor der Universität in Ankara tobt der Protest der Studentinnen und
Studenten gegen den Krieg und die Regierung. Drinnen hat es Aziz
aufgegeben, den Wenigen, die erschienen sind, etwas über Dramaturgie
beizubringen. Die Staatsführung bringt ihre eigene Inszenierung auf die
Bühne. Aziz ermutigt die Anwesenden, auf die Straße zu gehen. Das wird
ihm zum Verhängnis, als ihm und einigen Kollegen ein »Gelber Brief«
zugestellt wird. Ihre Kurse werden ebenso abgesetzt wie das Stück, dass
der Theaterregisseur mit seiner gefeierten Hauptdarstellerin und
Partnerin Derya an der Staatsbühne inszeniert. Es folgt ein Prozess, der
sich immer länger hinzieht. Gemeinsam mit ihrer Teenagertochter Ezgi
ziehen das Paar nach Istanbul. Während Aziz an einem Stück für ein
Off-Theater arbeitet, versuchen Derya und Ezgi ihren eigenen Weg zu
finden, mit der Situation umzugehen.

Regisseur ?lker Çatak verlagert die Geschichte nach Deutschland: Ankara
ist Berlin, Istanbul Hamburg. Der künstlerische Spagat gibt der Handlung
auch inhaltlich ein weitere Ebene. Wenn Aziz in Ankara/Berlin vor
Gericht steht, sind die deutschen Schriftzüge um Recht und Gerechtigkeit
an der Wand deutlich im Bild zu sehen und geben zu denken, wie es
eigentlich im Rest Europas darum bestellt ist. Vor der Kulisse
verdichtet sich der Druck und entlädt sich in einem intensiven Ehedrama.
Meisterhaft verbindet Çatak das Politische mit dem Privaten. Dafür gab
es bei der Berlinale viel verdienten Applaus.


Ein FILMtabs.de Artikel