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Kinoleben

D 2025 R: Goggo Gensch, 102 Min.

Am Anfang steht ein Ende: Im Arsenal schließt der letzte Vorhang. Peter
Bogdanovichs „Die letzte Vorstellung“ markiert das Ende einer Ära. Vor
50 Jahren hatte Stefan Paul das Kino in Tübingen eröffnet. Damals war
das Konzept eines Programmkinos völlig neu. Das Kino mit Kneipe zählte
zu den ersten, das Undergroundfilme abseits des Mainstreams zeigte. Eine
Idee, die sich wie ein Feuer verbreitete. Überall im Westen Deutschlands
besetzten Studenten leerstehende Immobilien. In Hamburg öffnete das
Abaton in einer alten Garage. Die „Arbeitsgemeinschaft Kino“ wurde
gegründet. Paul rief den Arsenal Filmverleih ins Leben, holte die Werke
von Andy Warhol und John Waters nach Deutschland.

Die Geschichte der Programmkinos und der Verleiharbeit ist fest
verschränkt. In dem Dokumentarfilm, den Goggo Gensch zum Jubiläum und
gleichzeitigen Ende des Arsenal – zumindest am alten Standort – drehte,
sorgt das mitunter für radikale Orts- und Themenwechsel. „Kinoleben –
Uber das Arsenal in Tübingen und weitere Programmkinos“ versucht, wie
der Titel schon andeutet, Pauls Leben, die Geschichte des Arsenal und
die der Programmkinos unter einen filmischen Hut zu bringen. Der
Szenenwechsel ist ebenso sprunghaft wie sein Protagonist. War man eben
noch in Hof beim Filmfestival, auf dem Fußballplatz und im Kino mit
„Schleimkeim“, ist man im nächsten Moment bei John Waters in Los Angeles
und anschließend in Leipzig, wo Paul gemeinsam mit Petra Klemann nach
der Wende das Programmkino im Grassimuseum aufbaute. Hin und wieder
hätte man gern mehr über die Kinoarbeit der Überzeugungstäter an vielen
Orten in der Republik erfahren. Die kommunalen Kinos oder die
Kulturbastionen in der Provinz klammert die Doku aus. Aber auch so ist
die Reise durch die deutsche Kinogeschichte und ein bemerkenswertes
„Kinoleben“ sehenswert und der Film ein brennendes Bekenntnis zum Kino.


Ein FILMtabs.de Artikel