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Milch ins Feuer
Bullinger, 78 Min.
Katinka (Karolin Nothacker) ist 17. Sie will den Bauernhof der Familie
weiterführen und macht eine Lehre zur Landwirtin. Doch von der
Landwirtschaft kann kaum mehr einer leben und als Frau muss sie ohnehin
einen wohlhabenden Bauern erwischen und heiraten. Ihre Mutter (Johanna
Wokalek) würde es lieber sehen, wenn sie eine Ausbildung bei Aldi macht
oder im Schlachthof anfinge. Katinkas beste Freundin Carina (Pauline
Bullinger) will lieber weg. Ihre Pläne zerbrechen jedoch, als sie von
Katinkas Bruder Michi schwanger wird.
Es sind die Frauen, die den Hof zusammen halten. Aber gerade sie sind
es, die am wenigsten Einfluss auf ihre ohnehin ungewisse Zukunft haben.
Die Männer geben keine gute Figur ab in Justine Bauers Regiedebüt. Der
Tod seiner Frau versetzt den Nachbarsbauern mit den hübschen Töchtern in
eine tiefe Krise. Michi ist ein Dorftrottel, der Stärke in rassistischen
Sprüchen sucht. Es geht der Filmemacherin vor allem um eine realistische
Darstellung der Bäuerin im Film, die viel zu selten im Kino sichtbar
ist. Justine Bauer weiß, wovon sie erzählt, wuchs sie doch selbst auf
dem Land auf, einem Hof ähnlich dem in Hohenlohe, dort, wo man noch
Fränkisch spricht, wo die vier Frauen ihr Leben leben. Dieses ist nicht
übermäßig dramatisiert, sondern herrlich leicht wie der Schwung der
Schaukel, die in der ersten Einstellung minutenlang über dem Fluss
schwingt. „Milch ins Feuer“ erzählt von einem Sommer. Vielleicht ist es
der Letzte in dieser Konstellation. Aber es wird schon irgendwie
weitergehen. Die Darsteller*innen, viele von ihnen im Dorf gecastet.
wirken frei und unverstellt, die Kamera von Pedro Carncier
dokumentarisch beobachtend.
Ein FILMtabs.de Artikel
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- Publiziert von:
- Lars Tuncay, 07.08.2025 / 5:34
- Rubrik:
- Kritiken LT
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